Rachel Rising

/ 2011 – 2016

Wenn es bei Chabon um den Zusammenhang von Comic und jüdischer Rache an den Nationalsozialist*innen geht, dann ist Moores Rachel Rising ein Beispiel für eine Form innerjüdischer Rache. Verfasst aus einer feministischen und zumindest implizit lesbischen Perspektive greift die Comicserie den Mythos um die jüdische Dämonin Lilith auf, die sich für ihre Vertreibung aus dem Paradies rächt. Rachel Rising wirft neues Licht auf diese Dämonin in dem Bewusstsein, dass es auch in der jüdischen Tradition genug Anlass dafür gibt, Rache für die Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen und Lesben zu nehmen.

 

Warum lesen

Weil die feministische Relektüre der jüdischen Tradition unterstreicht, dass es auch innerjüdisch genug Grund für Rache gibt. Denn die Geschichte von Gewalt und Ausschluss endet ja nicht bei der diskriminierten Gruppe, sondern durchzieht sie auch im Sinne der Intersektionalität von Diskriminierungsformen.

[mc]

Auf der Liste:
Jüdische Rache

Auf der Suche nach Gerechtigkeit in der Literatur nach 1945

Rot. Zwei Romane in Versen

/ 2019
Autobiography of Red: A Novel in Verse

Der heranwachsende Geryon fühlt sich wie ein Freak, ein Monster, ganz in Rot, schreibt er in sein Notizbuch, das er mit dem Titel „Autobiography“ versehen hat. Und dann verliebt er sich auch noch in den Fuckboy Herakles. Die kanadische Dichterin, Essayistin und Altphilologin Anne Carson schreibt die griechische Antike in zeitgenössische Verse – und macht den schwindelerregenden Zustand der Pubertät samt erster Liebe und Identitätskrise spürbar. In der deutschen Übersetzung werden zwei Romane zusammengeführt: The Autobiography of Red ist Geryons Coming-of-Age-Geschichte, in der sich der Outsider verknallt und ganz außer sich ist. Im zweiten Teil kommt Red Doc>, eine Fortsetzung, die 40 Jahre später spielt und in seiner Erzählform noch experimenteller wird. Carson schafft es immer wieder, das erotische Paradox, also das Zusammenspiel von Genuss und Schmerz, von Süße und Bitterkeit, von Liebe und Hass, auf neue Arten zu erzählen.

 

Warum lesen

Wenn ich über queere Literatur als Genre nachdenke, ist Anne Carson einer der ersten Namen, die mir durch den Kopf gehen. Es ist nicht nur ihr experimenteller Stil der lyrischen Prosa, sondern das Hijacken der griechischen Mythologie, die zwar viel Queerness in sich trägt, aber in Carsons Werk durch die zeitgenössische Sprache viel mehr Spaß macht.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur