Rot. Zwei Romane in Versen

/ 2019
Autobiography of Red: A Novel in Verse

Der heranwachsende Geryon fühlt sich wie ein Freak, ein Monster, ganz in Rot, schreibt er in sein Notizbuch, das er mit dem Titel „Autobiography“ versehen hat. Und dann verliebt er sich auch noch in den Fuckboy Herakles. Die kanadische Dichterin, Essayistin und Altphilologin Anne Carson schreibt die griechische Antike in zeitgenössische Verse – und macht den schwindelerregenden Zustand der Pubertät samt erster Liebe und Identitätskrise spürbar. In der deutschen Übersetzung werden zwei Romane zusammengeführt: The Autobiography of Red ist Geryons Coming-of-Age-Geschichte, in der sich der Outsider verknallt und ganz außer sich ist. Im zweiten Teil kommt Red Doc>, eine Fortsetzung, die 40 Jahre später spielt und in seiner Erzählform noch experimenteller wird. Carson schafft es immer wieder, das erotische Paradox, also das Zusammenspiel von Genuss und Schmerz, von Süße und Bitterkeit, von Liebe und Hass, auf neue Arten zu erzählen.

 

Warum lesen

Wenn ich über queere Literatur als Genre nachdenke, ist Anne Carson einer der ersten Namen, die mir durch den Kopf gehen. Es ist nicht nur ihr experimenteller Stil der lyrischen Prosa, sondern das Hijacken der griechischen Mythologie, die zwar viel Queerness in sich trägt, aber in Carsons Werk durch die zeitgenössische Sprache viel mehr Spaß macht.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur