Rachel Rising

/ 2011 – 2016

Wenn es bei Chabon um den Zusammenhang von Comic und jüdischer Rache an den Nationalsozialist*innen geht, dann ist Moores Rachel Rising ein Beispiel für eine Form innerjüdischer Rache. Verfasst aus einer feministischen und zumindest implizit lesbischen Perspektive greift die Comicserie den Mythos um die jüdische Dämonin Lilith auf, die sich für ihre Vertreibung aus dem Paradies rächt. Rachel Rising wirft neues Licht auf diese Dämonin in dem Bewusstsein, dass es auch in der jüdischen Tradition genug Anlass dafür gibt, Rache für die Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen und Lesben zu nehmen.

 

Warum lesen

Weil die feministische Relektüre der jüdischen Tradition unterstreicht, dass es auch innerjüdisch genug Grund für Rache gibt. Denn die Geschichte von Gewalt und Ausschluss endet ja nicht bei der diskriminierten Gruppe, sondern durchzieht sie auch im Sinne der Intersektionalität von Diskriminierungsformen.

[mc]

Auf der Liste:
Jüdische Rache

Auf der Suche nach Gerechtigkeit in der Literatur nach 1945

A Restricted Country

/ 1988

In dieser Sammlung aus Essays und Kurzgeschichten widmet sich die US-amerikanische Autorin Themen wie der Solidarität zwischen Schwarzen und jüdischen Aktivist*innen in den USA, Butch-Femme-Dynamiken, den Feminist Sex Wars oder dem Verhältnis zwischen Lesben und Sexarbeiter*innen. Queeres Begehren als Drive für politische Kämpfe, aber auch die Macht der Erinnerung spielen eine zentrale Rolle. Wenn Joan Nestle als Mitbegründerin des Lesbian Herstory Archives NYC die Relevanz von Archiven in feministischen und queeren Aktivismen betont, weiß sie, wovon sie spricht. Besonders queere Geschichtsschreibung ist wichtig zu dokumentieren und zu erhalten, weil viel Wissen durch systematisches Auslöschen verloren geht. Ihre Texte sind nicht leicht zu beschaffen, aber umso wichtiger, besonders, wenn es um lesbisch-feministisches Leben in der McCarthy-Ära geht.

 

Warum lesen?

Joan Nestle ist eine der wichtigsten lesbischen Autor*innen und hat mich sehr stark beeinflusst. Leider sind ihre Texte nur in kleinen feministischen Verlagen erschienen, weswegen sie heute als gedrucktes Buch rare Ware sind. Während der Feminist Sex Wars versuchten Anti-Porno-Aktivistinnen, ihre Arbeit zu zensieren und sie beispielsweise von Publikationen oder Konferenzen auszuschließen – auch diese Konflikte lassen sich bei ihr nachlesen.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur