Wann, wenn nicht jetzt?

/ 1986
Se non ora, quando? / 1982

In den wenigen Fällen, in denen jüdische Rache für die Shoah dann doch einmal groß erzählt und inszeniert wird, sind es meist Geschichten von Kämpfern: Die Bielski-Brüder in den Wäldern Weißrusslands, Abba Kovner und sechs Millionen tote Deutsche, die Jüdische Brigade. Überlebende der Lager spielen in diesen Geschichten meist keine große Rolle. Umso lesenswerter ist der Roman von Primo Levi, vor allem bekannt für seine Lagererinnerungen „Das periodische System“ und „Ist das ein Mensch?“. Es ist die Partisanenfantasie eines KZ-Überlebenden. Basierend auf den Erzählungen eines Bekannten und intensiven Recherchen lässt Levi eine wachsende Gruppe von Versprengten in den letzten zwei Kriegsjahren quer durch Osteuropa ziehen. Mendel und Leonid und Dov und Gedale und Rokhele und Line und Pavel und Mottel und all die anderen – jede Figur hat ihre eigene Geschichte und wird von Levi liebevoll und detailliert gezeichnet. Für einige ist der Wunsch nach Rache der wichtigste Antrieb zu überleben und weiterzukämpfen. Und als der Krieg plötzlich vorüber ist, ist er es eben nicht für alle…

 

Warum lesen

Weil ohne diesen Roman im Periodensystem von Primo Levi ein paar wichtige Elemente fehlen würden.

Bester Satz: „Freu dich nicht, wenn dein Feind stürzt; hilf ihm aber auch nicht beim Aufstehen.“

[ssch]

Auf der Liste:
Jüdische Rache

Auf der Suche nach Gerechtigkeit in der Literatur nach 1945