7.–8. November 2023

Weird Fiction. Angriff auf die Realität

In einer multiperspektivischen Gegenwart, in der unterschiedliche Realitäten immer schwieriger zu vermitteln scheinen, gewinnt Literatur an Bedeutung, die die Diskontinuitäten von Realitätsbildung selbst zum Thema hat.

Ein literarisches Genre, das sich der Frage nach der Fragilität unserer Sinnhorizonte wie kein Zweites widmet, ist Weird Fiction. Situiert zwischen Fantasy, Sci-Fi und Horror auf der einen Seite und Realismus auf der anderen, finden sich darin Geschichten, die man auf Anhieb nicht zuordnen kann. Sie weisen übernatürliche oder fantastische Elemente auf, doch spielen sie in Erzählwelten, die der Lebenswelt nicht unähnlich sind. Da sind z.B. Menschen, die sich in menschenfressende Tiere verwandeln, Väter, denen Hörner wachsen und Welten, deren Ränder zerfasern. Das alles erscheint aber gar nicht erklärungsbedürftig. Kein Erzähler ordnet das Erzählte ein, es passiert einfach so. H.P. Lovecraft nannte diese Form des Schreckens »kosmische Angst« und die Literatur, die eine solche Atmosphäre entfaltet, »weird fiction«.

An zwei Tagen zur Weird Fiction wird es um Literatur gehen, die mit Wahrnehmungs- und Sehgewohnheiten bricht. Unter dem Eindruck des »Weirden« fordert sie dazu auf, offen zu bleiben für das Nicht-Wissen, für die Grenzen des Verständlichen und für ein sensibles und aufmerksames Lesen. Die Fragen, die Weird Fiction evoziert, überfordern. Was passiert in diesen Texten? Ist das Realität oder Fiktion? Was passiert, wenn gewisse Grenzen überschritten werden? Und warum ist das mit Angst, Schrecken und mit Grusel verbunden? Was haben Tiere und Gewalt damit zu tun? Können weirde Texte einen politischen Beitrag leisten oder sind sie einfach nur Ausdruck einer neoliberalen Entgrenzung und Phantastik?

Projektleitung Jens Winter

Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt