Der Vater. Eine Abrechnung

/ 1987

1987 sorgte Niklas Frank mit seinem Buch »Der Vater. Eine Abrechnung« für Aufsehen. Darin setzte er sich mit seinem Vater und »Nazimörder« Hans Frank auseinander. Dieser war unter anderem Generalgouverneur des nicht annektierten Rests des ehemaligen polnischen Staates von 1939 – 1944/45, und damit mitverantwortlich für die Verfolgung und Ermordung Hunderttausender. Die vehemente und kompromisslose Haltung Franks ist bis heute bemerkenswerte Ausnahme im deutschen Erinnerungsdiskurs. Ähnlich wie beispielsweise Bernhard Vesper in »Die Reise«, beschreibt er ausführlich seinen inneren Konflikt mit dem eigenen Vater. Anders jedoch als viele sogenannte Väterliteratur verbindet Frank sein Schreiben mit Recherchen zu den konkreten Taten des eigenen Vaters.

Warum lesen?

Eine stärkere Problematisierung und Konkretion von Täterschaft an den Punkten, an denen es weh tut, wird in der Regel vermieden. Ein möglicher Rahmen der Konkretion ist – ohne, dass ein »Täterhintergrund« in Deutschland als allgemein gültige Norm gesetzt werden kann – der familiäre. Das Schreiben (und Lesen) wider die eigene Familie kann individuell wie gesamtgesellschaftlich befreiend sein.

Auf der Liste:
Thomas Harlans Täterliteratur

Auf der Suche nach einer Auseinandersetzung mit den Massenmorden der Shoah im vermeintlich Unsagbaren