Mo 04.07.2022

19:00 bis 21:30
Gespräch, Lesung
Mit Aaron Bruckmiller und Alexander Neupert-Doppler Moderation Ines Schwerdtner
Im Anschluss stellen Sarah Lehnerer und Jackie Grassmann ihr feministisch-utopisches Schreibprojekt »Fireflies in the Dark: Letters on Ambiguities« vor, moderiert von Jens Winter

Einchecken in die Utopie

Die Diskreditierung des Utopischen geht auf Marx und das 19. Jahrhundert zurück. Doch können wir sie uns heute, in Zeiten von Klimawandel, Silicon Valley und zunehmender Ungleichheit, immer noch leisten? Brauchen wir Utopien nicht gerade jetzt? Wenn ja, aus welchem Pool von Thesen und Ansätzen können wir schöpfen? Diese Fragen diskutieren die Utopieforscher Aaron Bruckmiller... weiterlesen

Die Diskreditierung des Utopischen geht auf Marx und das 19. Jahrhundert zurück. Doch können wir sie uns heute, in Zeiten von Klimawandel, Silicon Valley und zunehmender Ungleichheit, immer noch leisten? Brauchen wir Utopien nicht gerade jetzt? Wenn ja, aus welchem Pool von Thesen und Ansätzen können wir schöpfen? Diese Fragen diskutieren die Utopieforscher Aaron Bruckmiller und Alexander Neupert-Doppler mit Ines Schwerdtner und widmen sich dabei auch der Historie sowie unterschiedlichen Formen und Funktionen des Utopischen.

 

Direkt im Anschluss folgt eine dialogische Lesung von Sarah Lehnerer und Jackie Grassmann, die mit dem Genre der Autofiktion experimentieren, das als einer der Orte gelten kann, an dem versucht wird, die Utopie aus der Praxis des Alltags zu denken. Das macht sie gerade auch für feministische Projekte anschlussfähig. In autofiktionalen Texten wird erprobt, wie Beziehungen und Sorgearbeit in die Geschichten, die wir uns erzählen, integriert werden können. Sarah Lehnerer und Jackie Grassmann präsentieren Auszüge aus einem fortlaufenden, digitalen Briefwechsel. Darin entwickeln die Autorinnen einen Raum, in dem Alltag und Lektüre, Theorie und Praxis eng miteinander verschränkt werden. So entsteht das, was man vielleicht als die Grundbedingung des Utopischen bezeichnen kann: der Traum von einem anderen Leben, der immer in Beziehung zu einem Jetzt steht und das ist, was die Autorinnen als writing in relation begreifen.

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Di 05.07.2022

19:00 bis 21:00
Diskussion
Mit Mike Laufenberg, Francesca Vidal und Raul Zelik Moderation Ingar Solty

Utopie mit Bloch

Ernst Blochs »Das Prinzip Hoffnung« ist ein Mammutwerk. Es handelt von Tagträumen, der „Dämmerung nach Vorwärts“ und „Wunschlandschaften“ und endet mit „Karl Marx und die Menschlichkeit“. Für Bloch ist das Utopische mehr als nur Sozialutopie. Es ist auch eine Geisteshaltung. Der kubanisch-amerikanische Queer-Theoretiker José Esteban Muñoz hat 2009 mit »Cruising Utopia« an Blochs Utopiekonzept angeknüpft... weiterlesen

Ernst Blochs »Das Prinzip Hoffnung« ist ein Mammutwerk. Es handelt von Tagträumen, der „Dämmerung nach Vorwärts“ und „Wunschlandschaften“ und endet mit „Karl Marx und die Menschlichkeit“. Für Bloch ist das Utopische mehr als nur Sozialutopie. Es ist auch eine Geisteshaltung. Der kubanisch-amerikanische Queer-Theoretiker José Esteban Muñoz hat 2009 mit »Cruising Utopia« an Blochs Utopiekonzept angeknüpft und es für „Sexual Avant-Gardes“ und queere Lebensentwürfe nutzbar gemacht. Begierden und die „Kraft des Eros“ stehen im Zentrum seines Werkes, welche für ihn, wie für Bloch, immer politisch sind. Auf diesem Podium werden Francesca Vidal, Mike Laufenberg und Raul Zelik mit Ingar Solty Blochs Utopiekonzept und zeitgenössische Anschlussmöglichkeiten diskutieren.

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Mi 06.07.2022

18:00 bis 19:30
Lesung, Gespräch
Charlotte Krafft im Gespräch mit Andreas Gehrlach

Der Wandel der (literarischen) Utopie

In letzter Zeit sind Utopien näher an die Menschen herangerückt, sie sind persönlicher, komplizierter, lokaler und selbstkritischer geworden. Sie verstehen sich nicht mehr als Abschluss eines historischen Prozesses, sondern als kämpferische Orte gegen Hegemonialmacht. Dieses Utopieverständnis geht insbesondere auf Autor*innen wie Ursula K. Le Guin, Margaret Atwood und Joanna Russ zurück. Auch Kim Stanley Robinson... weiterlesen

In letzter Zeit sind Utopien näher an die Menschen herangerückt, sie sind persönlicher, komplizierter, lokaler und selbstkritischer geworden. Sie verstehen sich nicht mehr als Abschluss eines historischen Prozesses, sondern als kämpferische Orte gegen Hegemonialmacht. Dieses Utopieverständnis geht insbesondere auf Autor*innen wie Ursula K. Le Guin, Margaret Atwood und Joanna Russ zurück. Auch Kim Stanley Robinson und Ernest Callenbach lassen sich dazurechnen. In einer dialogischen Lesung reflektieren Charlotte Krafft und Andreas Gehrlach die Neubewertung der Utopie sowie ihre inhärente Kritik anhand der Veränderungen ihrer literarischen Repräsentationen seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

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20:00 bis 21:30
Lesung, Gespräch
Mit Theresa Hannig, Jakob Nolte und Lothar Koch
Moderation Peter Seyferth

Utopie und Gegenwartsliteratur

Die Gegenwartsliteratur mag keine Utopien. In Jakob Noltes »Schreckliche Gewalten« spuken sie scheinbar nur durch den Roman, um den Protagonist*innen die Zeit zu vertreiben. In seiner düsteren Welt ist die einzige Hoffnung Phantastik und die Überwindung des Menschen. Mit »Syltopia« hat Lothar Koch eine der wenigen klassischen Utopien der Gegenwart geschrieben. Sie erzählt von einem... weiterlesen

Die Gegenwartsliteratur mag keine Utopien. In Jakob Noltes »Schreckliche Gewalten« spuken sie scheinbar nur durch den Roman, um den Protagonist*innen die Zeit zu vertreiben. In seiner düsteren Welt ist die einzige Hoffnung Phantastik und die Überwindung des Menschen. Mit »Syltopia« hat Lothar Koch eine der wenigen klassischen Utopien der Gegenwart geschrieben. Sie erzählt von einem Sylt als Öko-Paradies, das er eindrücklich beschreibt. Einen anderen Ansatz wählt Theresa Hannig. Sie entwirft in »Pantopia« die Idee einer staatenlosen Weltordnung, bricht aber ab, bevor die Utopie sich verwirklicht. Auf dem Podium werden die Autor*innen ihre Bücher und ihre unterschiedlichen Perspektiven auf die Utopie vorstellen und mit Peter Seyferth darüber diskutieren, warum es die Utopie in der Literatur gerade so schwer hat.

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Do 07.07.2022

19:00 bis 20:30
Diskussion
Mit Philip Siefer, Leif Randt und Alissa Starodub
Moderation Elena Stingl

Politik, Fun, Selbstbestimmung. Utopische Konzepte von Arbeit

Der kapitalistische Geist der Profitmaximierung ist längst nicht mehr Triebfeder eines jeden unternehmerischen Handelns. Unternehmen sehen sich heute auch als politische Akteure. Wer es sich leisten kann, strebt danach, sich selbst zu verwirklichen. Der Lebensentwurf der Boheme der Gegenwart liegt irgendwo zwischen Politisierung, »Fun« und Selbstbestimmung. Andere setzen ihre Hoffnung in kollektive Organisationsformen, Urban Gardening... weiterlesen

Der kapitalistische Geist der Profitmaximierung ist längst nicht mehr Triebfeder eines jeden unternehmerischen Handelns. Unternehmen sehen sich heute auch als politische Akteure. Wer es sich leisten kann, strebt danach, sich selbst zu verwirklichen. Der Lebensentwurf der Boheme der Gegenwart liegt irgendwo zwischen Politisierung, »Fun« und Selbstbestimmung. Andere setzen ihre Hoffnung in kollektive Organisationsformen, Urban Gardening und solidarische Landwirtschaft. Gibt es so etwas wie ein positives Bild davon, wie die Zukunft der Arbeit aussehen soll? Es diskutieren Philip Siefer (Einhorn Kondome), Leif Randt (»Allegro Pastell«), Alissa Starodub (»Lasst es glitzern, lasst es knallen!«), moderiert von der Literaturwissenschaftlerin Elena Stingl.

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Fr 08.07.2022

18:00 bis 19:30
Vortrag
Mit Gerald Raunig und Brigitta Kuster

Postkoloniale Utopie? »Undercommons«. Reading Stefano Harney and Fred Moten

Mit ihrem Buch »Undercommons« wollten Stefano Harney und Fred Moten 2013 den akademischen Betrieb in den USA kritisieren. Was daraus entstand, war weit mehr. Ihr Buch wurde zum Frontalangriff auf die individualisierte, westliche Lebensweise als Ganzes und damit auch auf die Linearität von kolonialen Zeitvorstellungen. Es wurde zu einem Ausgangspunkt für eine auf Zukunft ausgerichtete,... weiterlesen

Mit ihrem Buch »Undercommons« wollten Stefano Harney und Fred Moten 2013 den akademischen Betrieb in den USA kritisieren. Was daraus entstand, war weit mehr. Ihr Buch wurde zum Frontalangriff auf die individualisierte, westliche Lebensweise als Ganzes und damit auch auf die Linearität von kolonialen Zeitvorstellungen. Es wurde zu einem Ausgangspunkt für eine auf Zukunft ausgerichtete, postkoloniale Widerstandspraxis. 2021 haben sie ihre Konzepte in »All Incomplete« weiterentwickelt. Brigitta Kuster und Gerald Raunig präsentieren Anmerkungen und Resonanzen aus der Arbeit mit den Texten von Harney und Moten.

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20:00 bis 21:30
Diskussion
Mit Karin Harrasser und Şeyda Kurt
Moderation Philipp Felsch

Gemeinschaft, Zärtlichkeit, Umwelt. Utopisch leben

In der jüngeren Vergangenheit werden utopische Vorstellungen zusehends anhand bestimmter Lebensformen und Identitäten diskutiert. Patriarchale Beziehungsstrukturen geraten in den Fokus der Kritik. Die Autorität des „weißen Mannes“ bröckelt. Der postkoloniale Diskurs stellt ihm die Gemeinschaft, der spekulative Materialismus einen neuen Bezug zur Umwelt und der Pop die radikale Zärtlichkeit entgegen. Aber auch die politische Rechte... weiterlesen

In der jüngeren Vergangenheit werden utopische Vorstellungen zusehends anhand bestimmter Lebensformen und Identitäten diskutiert. Patriarchale Beziehungsstrukturen geraten in den Fokus der Kritik. Die Autorität des „weißen Mannes“ bröckelt. Der postkoloniale Diskurs stellt ihm die Gemeinschaft, der spekulative Materialismus einen neuen Bezug zur Umwelt und der Pop die radikale Zärtlichkeit entgegen. Aber auch die politische Rechte schläft nicht. Sie hat die Utopie des Ethnopluralismus. Und Elon Musks Transhumanismus verändert die Welt ganz konkret. Utopisch leben: Was bedeutet das?

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