Paris, Juni 1935: Etwa 250 Schriftsteller:innen aus 38 Ländern versammeln sich zum »Ersten Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur«. Diskutiert wurden soziale und kulturelle Ideen zur Gesellschaftsveränderung, wobei es den deutschen Redner:innen nicht zuletzt darum ging, Lehren aus der Niederlage von 1933 zu ziehen, Strategien für den antifaschistischen Kampf zu entwickeln und durch die Erinnerung an das humanistische Kulturerbe Schriftsteller verschiedener Couleur zusammenzuführen. Florian Kappeler beschreibt den Kongress als Medienereignis, das seine Ausstrahlungskraft nicht nur den Reden verdankte, sondern auch den Praktiken der Begegnung und Organisation. Er skizziert Vorgeschichte und Nachwirkung und fragt, was aus 1935 heute noch folgt.
6.–10. Juli 2026
Angesichts der Ausbreitung antidemokratischer, autoritärer und rassistischer Ressentiments und politischer Praktiken in vielen Teilen der Welt erhält die Auseinandersetzung mit antifaschistischer Literatur wieder neue Relevanz. Dabei ist zu fragen, welche Möglichkeiten die Erinnerung an die Tradition antifaschistischer Literatur eröffnet, um auf gegenwärtige Tendenzen der Faschisierung zu reagieren.
Historisch betrachtet gründet das Selbstverständnis literarischer Autor:innen und Kritiker:innen als »antifaschistisch« in ihrem Widerstand gegen den Faschismus der 1930er Jahre in Europa, insbesondere in Italien, Spanien und Deutschland. Zwar haben nicht alle Autor:innen, die sich gegen den historischen Faschismus oder Nationalsozialismus positionierten, ihr Schreiben als explizit »antifaschistisch« bezeichnet. Dennoch bietet sich der Begriff an, ein breites Spektrum politischer Positionen sowie literarischer Verfahren zu verhandeln.
Wichtige Parameter mit Blick auf einzelne Werke sind beispielsweise die kritisch-dokumentarische, analytische oder auch metaphorisch-parabelhafte Verhandlung faschistischer Ideologie, Herrschaft und Verbrechen sowie, darüber hinaus, die literarische Darstellung von Gegenentwürfen zum Faschismus und Formen antifaschistischen Widerstands.
Eine besondere Herausforderung der gegenwärtigen Beschäftigung mit antifaschistischer Literatur ist, dass die Bezeichnung aufgrund ideologischer Verengung oder des staatspolitischen Missbrauchs des Antifaschismus, beispielsweise zur Legitimation von DDR-Unrecht, problematisch geworden ist. Solche Formen der Instrumentalisierung belasten noch immer die Wahrnehmung antifaschistischer Literatur und bedürfen fortwährender Kritik und Reflexion.
Aus heutiger Sicht sind vor allem die zeitanalytischen Qualitäten, aber auch die Defizite der literarischen Werke von Interesse: Inwiefern können literarische Texte helfen, die (politische) Realität »lesbar« zu machen? Welche Aspekte greifen aus heutiger Sicht zu kurz? Wie sieht ein zeitgemäßer Zugang zu den Texten aus? Was kann überhaupt die Leistung antifaschistischer Literatur sein? Und welche Perspektiven und Herausforderungen stellen sich schließlich einem zeitgemäßen Konzept antifaschistischen Schreibens?
Ziel des Lesefestivals ist es, sich diesen Fragen anzunähern, indem ein Blick zurück auf die Geschichte antifaschistischer Literatur im 20. Jahrhundert geworfen wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der zeitgenössischen literarisch-kritischen Auseinandersetzung mit dem NS-Faschismus in der deutschsprachigen Literatur. Die Lektüre, Relektüre und unterschiedliche Textzugänge stehen im Mittelpunkt des Festivals. Das Lesen wird dadurch als soziale Praxis konturiert – und als eigener ästhetisch-kognitiver Zugang zu Vergangenheit und Gegenwart.
Gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Programm
Mo. 06.07.2026
Der »Erste Internationale Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur«, Paris 1935
Paris, Juni 1935: Etwa 250 Schriftsteller:innen aus 38 Ländern versammeln sich zum »Ersten Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur«. Diskutiert wurden soziale und kulturelle Ideen zur Gesellschaftsveränderung, wobei es den deutschen Redner:innen nicht zuletzt darum ging, Lehren aus der Niederlage... weiterlesen
Worte zur »Verteidigung der Kultur«
Auf dem »Ersten Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur« kamen vom 21. bis 25. Juni 1935 über 80 Redner:innen zu Wort und lieferten sich teils hitzige Debatten. Unter den Mitwirkenden finden sich Namen wie André Malraux, André Gide, André Breton,... weiterlesen
Auf dem »Ersten Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur« kamen vom 21. bis 25. Juni 1935 über 80 Redner:innen zu Wort und lieferten sich teils hitzige Debatten. Unter den Mitwirkenden finden sich Namen wie André Malraux, André Gide, André Breton, Tristan Tzara, Louis Aragon, Aldous Huxley, Edward Morgan Forster und deutschsprachige Schriftsteller:innen wie Bertolt Brecht, Ernst Bloch, Heinrich Mann, Ernst Toller, Anna Seghers, Robert Musil, Gustav Regler und Egon Erwin Kisch. Die Schriftstellerin Luna Ali erstellt eine kleine Auswahl aus verschiedenen Reden, die Çiğdem Teke vorträgt. Sie bildet einen Anknüpfungspunkt für das anschließende Gespräch zwischen Paula Fürstenberg und Dmitrij Kapitelman: Was würden sie referieren, wenn sie eine Rede auf einem »Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur« halten sollten?
Di. 07.07.2026
Was gehört auf eine Leseliste »antifaschistische Literatur«?
Anna Seghers' Roman »Das siebte Kreuz« zählt unumstritten zu den Hauptwerken »antifaschistischer Literatur« – so problematisch sich dieser Begriff auch definieren lassen mag. Aber: Was gehört noch auf eine Leseliste antifaschistischer Literatur? Welche Titel könnten oder sollten dort aufgenommen werden,... weiterlesen
Anna Seghers' Roman »Das siebte Kreuz« zählt unumstritten zu den Hauptwerken »antifaschistischer Literatur« – so problematisch sich dieser Begriff auch definieren lassen mag. Aber: Was gehört noch auf eine Leseliste antifaschistischer Literatur? Welche Titel könnten oder sollten dort aufgenommen werden, um den Blick gezielt auch auf weniger prominente Beispiele und Autor:innen zu lenken? Wie breit ist überhaupt das Spektrum der Bücher und Sub-Genres antifaschistischer Literatur? Welche Kriterien gelten, um von antifaschistischer Literatur sprechen zu können? Um an konkreten Beispielen diskutieren zu können, wird bereits im Vorfeld der Veranstaltung eine kommentierte Leseliste zur antifaschistischen Literatur mit Fokus auf die deutschsprachige Literatur der 1930er und 1940er Jahre ausgearbeitet.
Lese-Tagebücher zu Willi Bredel und Irmgard Keun
Bereits früh wurde das Terrorregime der Nationalsozialisten zum Gegenstand kritischer literarischer Reflexion. Es entstanden Tatsachen- und Gegenwartsromane, die den Alltag und Umbau der Gesellschaft nach 1933 und die zunehmende politische Repression und Judenverfolgung dokumentarisch und literarisch verdichtet nachzeichneten. Für das... weiterlesen
Bereits früh wurde das Terrorregime der Nationalsozialisten zum Gegenstand kritischer literarischer Reflexion. Es entstanden Tatsachen- und Gegenwartsromane, die den Alltag und Umbau der Gesellschaft nach 1933 und die zunehmende politische Repression und Judenverfolgung dokumentarisch und literarisch verdichtet nachzeichneten. Für das Festival verfassen Domenico Müllensiefen und Ronya Othmann jeweils ein Lese-Tagebuch, mit dem sie die Re-Lektüre eines antifaschistischen Roman-Klassikers dokumentieren. Ausgewählt für dieses Leseexperiment wurden Willi Bredel, »Dein unbekannter Bruder« und Irmgard Keun, »Nach Mitternacht«. Über das Genre des Lese-Tagebuchs, über Interferenzen und Inkongruenzen zwischen Lektüre und Gegenwart und über die Erfahrung beim Wiederlesen antifaschistischer Klassiker sprechen sie mit Lara Sielmann.
Mi. 08.07.2026
Wort für Wort: Antifaschistische Kurzlektüre von LTI
Sprache prägt unsere Wahrnehmung und politische Wirklichkeit. Dem gehen wir nach und lesen gemeinsam einen Ausschnitt aus »LTI – Notizbuch eines Philologen« von Victor Klemperer (1947), in dem er die Funktionsweise der Sprache im Nationalsozialismus analysiert. Klemperer zeigt mit Beispielen... weiterlesen
Sprache prägt unsere Wahrnehmung und politische Wirklichkeit. Dem gehen wir nach und lesen gemeinsam einen Ausschnitt aus »LTI – Notizbuch eines Philologen« von Victor Klemperer (1947), in dem er die Funktionsweise der Sprache im Nationalsozialismus analysiert. Klemperer zeigt mit Beispielen aus Zeitung, Werbung, amtlichen Schreiben und Gesprächen mit Nachbarn, wie tief sich ideologische Muster in alltägliche Wiederholungen einschreiben. Anschließend diskutieren wir gemeinsam, inwiefern sich Klemperers Beobachtungen und autoritäre Kontinuitäten heute wieder zeigen, bevor wir in eine »Silent Conversation« als kollaborativen Austausch übergehen. Vorkenntnisse oder vorbereitende Lektüre sind nicht erforderlich.
Anmeldung erforderlich: anmeldung@lfbrecht.de
Meisterwerke der NS-Satire und was sie uns lehren
Wo die politische Wirklichkeit sich in groteske Grausamkeit verwandelt und rechte Akteure von Schicksal und Tiefe raunen, wird das Lachen zum widerständigen Akt. Die literarische Satire blüht immer dann, wenn die Zeiten düster sind. Deshalb mag es nicht verwundern, dass... weiterlesen
Wo die politische Wirklichkeit sich in groteske Grausamkeit verwandelt und rechte Akteure von Schicksal und Tiefe raunen, wird das Lachen zum widerständigen Akt. Die literarische Satire blüht immer dann, wenn die Zeiten düster sind. Deshalb mag es nicht verwundern, dass während des Nationalsozialismus viele Literaten zu satirischen Mitteln griffen, um die Lage zu analysieren. Manche dieser Texte sind kaum mehr bekannt, etwa Otto M. Knabs »Kleinstadt unterm Hakenkreuz« (1934) oder selbst Walter Mehrings »Die Nacht des Tyrannen« (1937). Andere Satiren aber erfreuen nach wie vor das Publikum, sind von hoher literarischer Qualität und auch in Neuauflagen auf dem Buchmarkt erhältlich. Im Gespräch geht es um Klaus Manns »Mephisto. Roman einer Karriere« (1936), Bertolt Brechts Stück »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« (1941) und um »Dritte Walpurgisnacht« (1933) des Satirikers Karl Kraus. Der Blick soll dabei nicht nur zurück, sondern auch in die Gegenwart führen. Was können literarische Satiren angesichts des omnipräsenten Rechtsrucks leisten? Ist unser Lachen eher fatalistisch oder revolutionär?
Do. 09.07.2026
Auf den Spuren antifaschistischer Schriftsteller:innen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
Eine besondere literarische Spurensuche auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof: An den Gräbern antifaschistischer Schriftsteller:innen werden kurze Texte und Zitate gelesen und in ihren biografischen und historischen Kontext eingeordnet. Stationen führen unter anderem zu Anna Seghers, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Arnold Zweig,... weiterlesen
Eine besondere literarische Spurensuche auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof: An den Gräbern antifaschistischer Schriftsteller:innen werden kurze Texte und Zitate gelesen und in ihren biografischen und historischen Kontext eingeordnet. Stationen führen unter anderem zu Anna Seghers, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Arnold Zweig, Hedda Zinner, Fritz Erpenbeck, Johannes R. Becher sowie Herzfelde/Heartfield.
Treffpunkt: Brecht-Haus.
Wichtig: Lichtbildausweis erforderlich für die Ausleihe von Kopfhörern
»Aber versuchen wir einen anderen Anfang«
Fragmente für eine antifaschistische Praxis
Gemeinsam mit Tanasgol Sabbagh entsteht eine performative Lecture als Gespräch in Bewegung: ein Versuch, aus Texten des Widerstands eine Gegenwart zu komponieren. Ausgangspunkt ist Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss, doch das Material verzweigt sich – durch Zeiten, Orte... weiterlesen
Gemeinsam mit Tanasgol Sabbagh entsteht eine performative Lecture als Gespräch in Bewegung: ein Versuch, aus Texten des Widerstands eine Gegenwart zu komponieren. Ausgangspunkt ist Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss, doch das Material verzweigt sich – durch Zeiten, Orte und Stimmen. Die Lecture folgt keiner linearen Argumentation, sondern einer Logik der Partitur: Stimmen setzen ein, überlagern sich, brechen ab, kehren wieder. Zitate, Gedichte, politische Texte und Fragmente werden nicht nur gelesen, sondern angeordnet, verschoben, gegeneinander gehört. Bedeutung entsteht im Rhythmus, im Schnitt, in der Wiederholung. Aus dieser kompositorischen Bewegung entwickelt sich ein Dialog über Handlung: Was heißt antifaschistischer Widerstand heute? Wie lässt sich aus historischem Material eine Praxis für die Gegenwart ableiten, ohne es zu schließen oder zu beruhigen? Worin besteht die Rolle und die Verantwortung der Schreibenden? Das angestrebte »Handbuch« bleibt fragmentarisch – eher eine offene Partitur als ein fertiger Text. Poesie verschiebt sich in Richtung Handlung, Sprache wird zur Probe auf Praxis. Die performative Lecture versteht sich als Versuchsanordnung: ein Raum, in dem sich Denken, Sprechen und mögliches Handeln gegenseitig affizieren.
Fr. 10.07.2026
Paradigmatische Lektüren antifaschistischer Literatur
09:30 Begrüßung 09:45 Narrative antifaschistischer Theaterpraktiken. Asja Lācis’ »Revolutionäres Theater in Deutschland« (Moskau, 1935) im Kontext sowjetischer Kulturdoktrin. Input und Podiumsgespräch mit Swetlana Lukanitschewa, Mimmi Woisnitza und Erik Zielke 11:30 Aspekte antifaschistischer DDR-Literatur u.a. bei Anna Seghers, Karl Mundstock, Fred... weiterlesen
09:30
Begrüßung
09:45
Narrative antifaschistischer Theaterpraktiken. Asja Lācis’ »Revolutionäres Theater in Deutschland« (Moskau, 1935) im Kontext sowjetischer Kulturdoktrin.
Input und Podiumsgespräch mit Swetlana Lukanitschewa, Mimmi Woisnitza und Erik Zielke
11:30
Aspekte antifaschistischer DDR-Literatur u.a. bei Anna Seghers, Karl Mundstock, Fred Wander.
Diskussion und Gespräch mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß und Pauline Schubert, moderiert von Franziska Haug
14:00
Antifaschistischer Widerstand ästhetischer Formen. Paradigmatische Lektüren am Beispiel von Gegenwartslyrik.
Lyrik-Performance mit Mesut Bayraktar und Alina Essberger (Kollektiv nous – konfrontative Literatur) und anschließende Diskussion, moderiert von Nursan Celik und Lisa Jüttner
16:00
Didaktik, Transnationalität, Unordnung: Neue Fragen und Beobachtungen bei der Re-Lektüre antifaschistischer Literatur.
Podiumsgespräch mit Dîlan Canan Çakir, Stephanie Marx und Florian Kappeler
17:00
(Re-)Claiming Authors and Books: Praktiken antifaschistischer Literaturwissenschaft.
Buchpräsentation »Literatur- und Kulturpolitik der ›Neuen Rechten‹« mit Mareike Gronich und Jeannie Moser
18:00
Gibt es »antifaschistische Literatur«? Zur Vereinnahmung von Kunst durch Politik.
Mely Kiyak im Gespräch mit Jeannie Moser
Das Symposium wurde in Kooperation mit dem Arbeitskreis Politische Ästhetiken kuratiert und tritt zugleich an die Stelle der diesjährigen Jahrestagung des Arbeitskreises für Politische Ästhetiken 2026.
Anmeldung erforderlich: anmeldung@lfbrecht.de
Abschluss-Symposium
Freitag, 10.07.2026
Eintritt frei!
Anmeldung erforderlich: anmeldung@lfbrecht.de
Paradigmatische Lektüren antifaschistischer Literatur
Kuration Robin Becker, Dîlan Canan Çakir, Florian Kappeler, Jeannie Moser und Charlotte Rathjen zusammen mit dem Arbeitskreis für Politische Ästhetiken
9:30
Begrüßung
9:45
Narrative antifaschistischer Theaterpraktiken. Asja Lācis’ »Revolutionäres Theater in Deutschland« (Moskau, 1935) im Kontext sowjetischer Kulturdoktrin
Input und Podiumsgespräch mit Swetlana Lukanitschewa,
Mimmi Woisnitza und Erik Zielke
Das Panel thematisiert Asja Lācis‘ »Revolutionäres Theater in Deutschland« (Moskau 1935) als paradigmatische Lektüre antifaschistischer Kunstpraxis in zweifacher Weise: als Bericht über die Geschichte des revolutionären Theaters der Weimarer Republik sowie als eine Form antifaschistischer Erzählung der Praxis- und Organisationsgeschichte widerständiger Theaterformen im sowjetischen Publikationskontext Mitte der 1930er Jahre. Die Bezugspunkte dieser Genealogie widerständiger Theaterpraxis reichen bis in Lācis‘ erste, manifestartige Publikation »Die neuen Richtungen in der Theaterkunst« (Riga 1921) zurück und schreiben sich 1935 als implizite Gegenerzählung zu den kulturpolitischen Verhärtungen fort, die aus dem Erbe des Russischen Bundes Proletarischer Schriftsteller (RAPP) hervorgegangen waren. Darin ist sie Piscator vergleichbar, dessen Theaterarbeit an denselben doktrinären Widerständen scheiterte: Antifaschismus nicht als Programm, sondern als Praxis, die sich gegen ihre eigene institutionelle Vereinnahmung behaupten muss.
11:30
Aspekte antifaschistischer DDR-Literatur u. a. bei Anna Seghers, Karl Mundstock, Fred Wander
Diskussion und Gespräch mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß und Pauline Schubert. Moderation Franziska Haug
Antifaschistische Literatur in der DDR ist nicht nur von Widersprüchen bestimmt, sondern setzt sich mit ihnen vielfach auch aktiv auseinander. Wir wollen in unserem Panel eine Auswahl antifaschistischer Texte vorstellen, ihre Entwürfe einer antifaschistischen Ästhetik diskutieren, sie nach ihrem Verhältnis zum staatlichen Antifaschismus hin befragen, und nach den ästhetischen und politischen Resonanzen suchen, die die Widersprüche und Auseinandersetzungen dieser Literatur in der Gegenwart finden. Wir widmen uns dabei mit paradigmatischen Lektüren Franz Fühmann, »Kameraden« (1955), Friedrich Wolf, »Siebzehn Brote« (1953), Karl Mundstock, »Bis zum letzten Mann« (1957), Anna Seghers, »Die Kraft der Schwachen« (1965), Fred Wander, »Der siebente Brunnen« (1971) und Christa Wolf, »Kindheitsmuster« (1976).
14:00
Antifaschistischer Widerstand ästhetischer Formen. Paradigmatische Lektüren am Beispiel von Gegenwartslyrik
Lyrik-Performance mit Mesut Bayraktar und Alina Essberger (Kollektiv nous – konfrontative Literatur) und anschließende Diskussion
Moderation Nursan Celik und Lisa Jüttner
Störungen, Disruptionen und Widerständigkeiten prägen viele ästhetische Praktiken und werden oftmals gezielt als Mittel politischer Intervention eingesetzt. Auch die Lyrik, lange als eher subjektive Ausdrucksform verstanden, erweist sich hierfür als überraschend wirksam – so etwa im Fall des Literaturkollektivs nous – konfrontative Literatur, das mit seinen Texten antifaschistischen Widerstand formuliert. Gemeinsam mit Vertreter:innen des Kollektivs möchten wir anhand performativer Beiträge aus deren Repertoire eine exemplarische Lektüre antifaschistischer politischer Wirkungen in der Gegenwartslyrik entwickeln.
16:00
Didaktik, Transnationalität, Unordnung: Neue Fragen und Beobachtungen bei der Re-Lektüre antifaschistischer Literatur
Podiumsgespräch mit Dîlan Canan Çakir, Stephanie Marx und Florian Kappeler
Die Literatur leistete auf vielfache Weise Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Ausgehend von ihren Debatten im AK Politische Ästhetiken und der Lecture-Reihe »Literaturzeit – Literatur in einer Stunde« unternehmen Stephanie Marx und Florian Kappeler Re-Lektüren antifaschistischer Literatur aus den 1930er und 1940er Jahren und erproben neue Lesarten. Anhand des kanonischen Kinderbuches »Sally Bleistift in Amerika« (Moskau 1935) von Auguste Lazar sowie der Schriften von Maria Leitner, Hedda Zinner, Arnold Zweig und Anna Seghers fragen sie u. a., wodurch sich eine antifaschistische Didaktik auszeichnet, welche transnationalen antifaschistischen Dynamiken sich beobachten lassen und wie Solidarität und Konflikt zwischen heterogenen Gruppen literarisch konzipiert werden.
17:00
(Re-)Claiming Authors and Books: Praktiken antifaschistischer Literaturwissenschaft Buchpräsentation »Literatur- und Kulturpolitik der ›Neuen Rechten‹« mit Mareike Gronich und Jeannie Moser
Autor:innen und ihre Texte gehören niemandem – und doch werden sie politisch vereinnahmt. Die ›Neue Rechte‹ reklamiert Literatur gezielt für ideologische Projekte. Unsere neue Kollektivmonografie beleuchtet ihre literatur- und kulturpolitischen Strategien im Kampf um Diskurshegemonie. Die Buchpräsentation lädt dazu ein, Literaturwissenschaft als antifaschistische Praxis zu diskutieren.
18:00
Gibt es »antifaschistische Literatur«? Zur Vereinnahmung von Kunst durch Politik
Mely Kiyak im Gespräch mit Jeannie Moser
Zum Abschluss des Symposiums stellen wir dessen Thema gemeinsam mit der Schriftstellerin Mely Kiyak auf den Kopf: Gibt es ›antifaschistische Literatur‹ überhaupt? Ausgangspunkt sind die Radioansprachen von Thomas Mann aus dem Exil, mit denen er sich zwischen 1940 und 1945 lautstark gegen den Nationalsozialismus zu Wort meldet. Für die Gegenwart fragen wir, ob Literatur in politisch dunklen Zeiten explizit Stellung beziehen soll – oder ob gerade dann auf die Kraft poetischen Schreibens zu vertrauen ist, selbst wenn seine Offenheit Vereinnahmung ermöglicht.
Das Symposium wurde in Kooperation mit dem Arbeitskreis Politische Ästhetiken kuratiert und tritt zugleich an die Stelle der diesjährigen Jahrestagung des Arbeitskreises für Politische Ästhetiken 2026.
Mitwirkende
Luna Ali, geboren 1993 in Syrien, studierte Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim, Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut und Anthropologie an der Universität Leipzig. Sie arbeitete als Autorin u. a. an Produktionen an den Schauspielhäusern Düsseldorf, Dortmund, Hannover sowie in Berlin. 2023 erhielt sie das Arbeitsstipendium für deutschsprachige Literatur der Berliner Senatsverwaltung.
Mesut Bayraktar, geboren 1990 in Wuppertal, ist Redakteur bei nous. Er ist Autor u.a. der Romane »Wunsch der Verwüstlichen« (2021), »Aydin – Erinnerungen an ein verweigertes Leben« (2021) sowie des Erzählungsbands »Die Lage« (2024) und der Theaterstücke »Die Belagerten« (2018) und »Gastarbeiter-Monologe« (2021).
Robin Becker studierte Kultur- und Politikwissenschaften sowie Philosophie und Germanistik in Berlin, Lüneburg und Wien. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leuphana Universität Lüneburg und promoviert derzeit in Philosophie an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Ästhetik, Kultur-, Literatur- und Kunsttheorie, Sozialphilosophie sowie Psychoanalyse. Er ist Mitherausgeber des Sammelbands »Ästhetik nach Adorno«, Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen, Co-Koordinator des Arbeitskreises Politische Ästhetiken und schreibt regelmäßig für Zeitungen.
Wiebke von Bernstorff ist Kulturwissenschaftlerin und wissenschaftliche MItarbeiterin an der Universität Hildesheim. Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Praxen liegen in der Gegenwartsliteratur, der Exilliteratur, besonders der Kinder- und Jugendliteratur des Exils und in dem Dazwischen von Intermedialität und Interkulturalität. Sie forscht aus posthumanistischer Perspektive, besonders im Schreibprojekt »Ästhetische Bildung neu erzählt: posthumanistische Grenzgänge«. Sie ist außerdem Co-Kuratorin des Leselistenprojektes des Literaturforums im Brecht-Haus.
Lukas Betzler studierte Deutsche Philologie und Geschlechterforschung in Göttingen und Paris und promovierte 2024 in Lüneburg mit einer Arbeit zu Kritischer Theorie und Literatur. Er forscht und veröffentlicht zur Kritischen Theorie, zur DDR-Literatur, zu Queer und Gender Studies sowie zum Antisemitismus. Gemeinsam mit Hauke Branding gab er 2019 Guy Hocquenghems »Das homosexuelle Begehren« neu heraus. Derzeit arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hildesheim.
Dîlan Canan Çakir ist Literaturwissenschaftlerin und derzeit Feodor-Lynen-Forschungsstipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Universität Cambridge (UK). Zuvor war sie als Postdoktorandin am Exzellenzcluster „Temporal Communities“ der Freien Universität Berlin tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: deutsche Literatur (18. bis 21. Jahrhundert), Aktivismus und Literatur, Einakter, digitale Exilliteratur, kurdische Literatur in der deutschen Diaspora sowie Games und Literatur.
Nursan Celik forscht und unterrichtet als Literaturwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach einem Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Kassel wurde sie 2023 an der Universität Münster mit einer Arbeit zu "Das Recht der Fiktion. Zu den Lizenzen fiktionalen Schreibens und ihren juristischen Implikationen" promoviert.
Jan Drees ist Literaturkritiker und Schriftsteller. Er arbeitet als Redakteur im Literaturressort des Deutschlandfunks und moderiert den „Büchermarkt“. Als Schriftsteller veröffentlichte er zuletzt den Roman "Sandbergs Liebe" (2019).
Alina Essberger geb. 2001, ist Redakteurin bei nous und studiert Deutschsprachige Literaturen in Hamburg. Neben dem Studium arbeitet sie in der digitalen Literaturwissenschaft. 2023 hat sie die szenische Lesung Probe für die Zukunft gesprochen. Ihre Gedichte und Erzählungen wurden in Anthologien veröffentlicht.
Paula Fürstenberg, Jahrgang 1987, wuchs in Potsdam auf und studierte am Schweizerischen Literaturinstitut sowie an der Humboldt-Universität. 2016 erschien ihr Debütroman »Familie der geflügelten Tiger«, 2024 ihr zweiter Roman »Weltalltage«. Für ihre Arbeit wurde sie mit zahlreichen Stipendien ausgezeichnet.
Peter Graf ist seit über 25 Jahren als Lektor und Verleger tätig und leitet den Verlag „Das Kulturelle Gedächtnis“. Ein Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit ist die Suche nach vergessenen Texten, um sie heutigen Leser*innen neu zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wiederveröffentlichung deutschsprachiger Exil-Literatur und die Herausgabe von Romanen, Erzählungen und Tagebüchern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seit Juli 2025 arbeitet Peter Graf außerdem für das Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg.
Mareike Gronich ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Bielefeld mit einem Schwerpunkt in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Literatur und Politik in der Erwachsenen- sowie in der Kinder- und Jugendliteratur, mit intersektionaler Literatur(-wissenschaft), DDR-Literatur sowie mit queerfeministischen und kulturpolitischen Themen.
Tobias Haberkorn, geboren 1984, studierte Literaturwissenschaft in Paris und Berlin. Heute arbeitet er als Journalist und Übersetzer und ist Gründer und Chefredakteur der Berlin Review.
Franziska Haug hat zu literarischen Verfahren der Produktion von Geschlecht durch Arbeit am Beispiel von Thomas Brasch, Gisela Elsner, Elfriede Jelinek, Ronald M. Schernikau und im Pop promoviert. Aktuell arbeitet sie als PostDoc zu Queerer DDR Literatur. Sie forscht zu und denkt nach über Materialismus, Antisemitismus, Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse, DDR-und Gegenwartsliteratur. Gemeinsam mit Jonas Haug ist die Kern des Kollektivs DiasporaOst.
Jonas Haug studierte Ästhetik und Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt DDR-Literatur. Aktuell arbeitet als Kulturmanager, Buchhändler und schreibt an seinem Promotionsprojekt zur Konstruktion von Alltag in der Literatur der DDR. Gemeinsam mit Franziska Haug ist er Kern des Kollektivs DiasporaOst.
Yayla Höpfl ist Medienwissenschaftlerin, Kuratorin, Moderatorin und war zwischen 2016 und 2019 Mitorganisatorin der Berliner Buchmesse »Queeres Verlegen«.
Lisa Jüttner ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Bielefeld und wurde 2026 dort mit einer Arbeit zu ästhetischer Subjektivität und Geschlecht im Zeitraum 1970-2024 promoviert. Ihre Forschungsinteressen sind, neben der literaturwissenschaftlichen Geschlechterforschung, ästhetische Theorien der Spätmoderne, literarische Materialismen, Soziale Medien und Literatur, Literatur und Abtreibung, Nostalgie und Retrokulturen sowie Literatur des frühen 19. Jahrhunderts.
Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kyjiw geboren, kam im Alter von acht Jahren als »Kontingentflüchtling« mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute arbeitet er als freier Journalist. 2016 erschien sein erstes, erfolgreiches Buch »Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters«, 2021 folgte »Eine Formalie in Kiew« und zuletzt 2025 »Russische Spezialitäten«, das auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2025 stand.
Florian Kappeler, Dr. phil. habil., hat an den Universitäten Zürich, Göttingen, Wuppertal und der HU Berlin gearbeitet und ist Co-Koordinator des Arbeitskreises Politische Ästhetiken. Er promovierte zu Robert Musil, habilitierte sich zur deutschsprachigen Literatur der Haitianischen Revolution, hat 2025 mit Wiebke von Bernstorff und Christian Hippe den Band "Schreiben über Grenzen. Neue Perspektiven auf die transatlantischen Schriften von Anna Seghers" herausgegeben und arbeitet derzeit zu sorgender Vaterschaft und antirassistischer/antifaschisticher Solidarität.
Mely Kiyak ist Autorin und vielfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Kurt-Tucholsky-Preis und zuletzt mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste. Zuletzt erschienen bei Hanser Frausein (2020), Werden sie uns mit FlixBus deportieren? (2022) und Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an (2024) und Thomas Mann.
Deutsche Hörer! (2025) im S. Fischer Verlag. Dieser Garten (2024) und Gute Momente (2025) erschienen im mikrotext Verlag.
Mely Kiyak ist auf deutschen Theaterbühnen mit ihren kuratierten Kunstsalons zu sehen Mely Kiyak hat Gesellschaft (Schauspielhaus Hamburg), Mely Kiyak hat Kunst (Gorki Theater Berlin) und ab Herbst mit Poesie!Poesie! am Deutschen Theater Berlin.
Bernd Langer, geboren 1960 in Bad Lauterberg im Harz, ist seit 1977 mit der Antifa-Bewegung verbunden und Gestalter des heute bekannten Antifa-Logos. Als politischer Künstler und Autor zahlreicher Bücher und Vortragsreisender setzt er sich seit Jahren mit den revolutionären Bewegungen in Deutschland auseinander.
Swetlana Lukanitschewa, Dr. phil. habil., ist Privatdozentin am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft an der Theaterakademie (GITIS) Moskau, 2001 Promotion am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München, 2012 Habilitation am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschichte des europäischen Theaters des 18./19./20. Jahrhunderts, russisches Theater, Theorie und Praxis des europäischen Gegenwartstheaters, Interkulturalität, Theateravantgarde.
Stephanie Marx lehrt und forscht in Wien, wo sie 2025 mit einer Arbeit zur politischen Dimension der Neuen Sachlichkeit promoviert hat. Ihre Schwerpunkte liegen in der deutschen und österreichischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, auf der Wechselwirkung von Literatur und Politik sowie im Bereich der feministischen Literaturwissenschaft. Derzeit erhält sie das Wissenschaftsstipendium der Stadt Wien und ist mit der literarischen Produktion der Wiener autonomen Frauenbewegung befasst.
Maximilian Mengeringhaus, geboren 1988, studierte Germanistik und Philosophie in Köln und Berlin, wo er heute als freischaffender Literaturkritiker lebt. Seine Buchbesprechungen, Essays und Portraits erscheinen u.a. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Tagesspiegel; regelmäßig ist er auch im Deutschlandfunk und auf Deutschlandfunk Kultur zu hören.
Jeannie Moser (PD Dr.) forscht und veröffentlicht zu Fragen der politischen Kommunikation und Ästhetik, zur Poetologie, Medien- und Kulturgeschichte des Wissens sowie der historischen Gender-Forschung. Sie arbeitete an der Universität Wien und der FU Berlin, an der TU Berlin habilitierte sie sich mit einer Literatur- und Wissensgeschichte des Misstrauens, am Wiener IFK forschte sie zur diskursiver Disruption. Sie ist im Koordinationsteam des AK Politische Ästhetiken. Zuletzt erschien die Kollektivmonografie Literatur- und Kulturpolitik der ‚Neuen Rechten’.
Domenico Müllensiefen wurde 1987 in Magdeburg geboren. Mit 16 lernte er bei der Deutschen Telekom. Danach Anstellung als Techniker in Leipzig. Ab 2011 Studium und Master am Deutschen Literaturinstitut. Für seinen Debütroman »Aus unseren Feuern« wurde er u.a. mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. 2024 erschien der Roman »Schnall dich an, es geht los«, zuletzt 2026 »Manchmal muss man sich entscheiden«.
Ronya Othmann wurde 1993 in München geboren und lebt in Leipzig. Sie ist Autorin und Journalistin und erhielt zahlreiche Literaturpreise. Bei Hanser erschienen ihr Debütroman »Die Sommer« (2020) und der Gedichtband »die verbrechen« (2021). Im Rowohlt Verlag erschien zuletzt der Roman »Vierundsiebzig« (2025).
Tim Preuß ist Literaturwissenschaftler an der Universität Halle-Wittenberg und arbeitet vor allem zu Literatur, Film und Kultur (in) der DDR. Er befasst sich dabei und daneben in wissenschaftlichen und kritischen Texten mit Fragen Politischer Ästhetik sowie Kunst- und Kulturgeschichte linker Bewegungen.
Charlotte Rathjen promoviert an der Universität Leipzig zu numerischen Altersangaben in Erzähltexten der Moderne, gefördert durch das Sächsische Landesstipendium und war als Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Leipzig tätig. Sie studierte Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft und Philosophie an der Universität Leipzig und der University of Edinburgh. Forschungsaufenthalte führten sie an das DLA Marbach und an die Brown University, USA. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen literarische Age Studies, Kulturgeschichte des Alters, Narratologie, Zeitforschung sowie den sozialen und kulturellen Politiken von Gesundheit und Alter(n).
Tanasgol Sabbagh ist in Amol, Iran, geboren und in Hessen aufgewachsen. Sie ist Künstlerin und Dichterin. Ihre literarische Arbeit präsentiert sie in Performances, Audiostücken, Videoinstallationen und musikalischen Kollaborationen. Sie ist Mitbegründerin des Künstler*innenkollektivs parallelgesellschaft sowie der gleichnamigen Veranstaltungsreihe, die politische Kunst abseits der deutschen Leitkultur verhandelt. Zusammen mit der Lyrikerin Josefine Berkholz ist sie Gründerin und Redakteurin des auditiven Literaturmagazin »Stoff aus Luft«, das als Podcast erscheint.
Fabian Saul, geboren 1986, ist Autor, Komponist und seit 2013 Chefredakteur des Magazins Flaneur. Er studierte Kulturwissenschaft und Philosophie. Neben seiner schriftstellerischen und redaktionellen Arbeit arbeitet er seit vielen Jahren als Komponist für Filmmusik und Songwriter. Zuletzt erschien sein Essay »Boulevard Ring«. Er lebt in Berlin, seine Arbeit führt ihn jedoch regelmäßig an andere Orte, zuletzt nach Moskau.
Wolfgang M. Schmitt, geboren 1988, studierte an der Universität Trier Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Er ist Filmkritiker, Webvideoproduzent, Podcast-Moderator und Autor. Berühmtheit erlangte er vor allem durch seinen YouTube-Kanal »Die Filmanalyse«. Gemeinsam mit Stefan Schulz betreibt er den Politik-Podcast »Die Neuen Zwanziger« und mit Ole Nymoen den Wirtschafts-Podcast »Wohlstand für Alle«. 2024 erschien die Anthologie »Selbst schuld!«, die er gemeinsam mit Ann-Kristin Tlusty herausgibt. Außerdem erschien im August 2024 sein gemeinsam mit Ole Nymoens verfasstes Kinderbuch »Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut«.
Pauline Schubert studierte Germanistik und Philosophie in Dresden und Leipzig. Für ihre Abschlussarbeit zu Fragen des Sehendwerdens und Sichtbarmachens in Texten Christa Wolfs erhielt sie 2025 den Christa und Gerhard Wolf-Förderpreis. Derzeit promoviert sie an der LMU München mit einer Arbeit zur Lyrikerin Sarah Kirsch. Für ihr Promotionsprojekt erhält sie das Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zu ihren Forschungsinteressen zählen u.a. die Literatur nach 1945, insbesondere die Literatur aus der DDR, sowie das Verhältnis von Literatur und Philosophie.
Andrea Schütte (PD Dr. phil.) ist germanistische Literaturwissenschaftlerin. Im Sonderforschungsbereich »Intervenierende Künste« an der Freien Universität Berlin hat sie zu literarisch-künstlerischen Interventionen in der Weimarer Republik und in der Gegenwart gearbeitet. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist Ästhetik und Politik.
Lara Sielmann ist Kulturjournalistin, Literaturkritikerin sowie -kuratorin. Als Redakteurin und Autorin arbeitet sie für den Deutschlandfunk Kultur und steht als Moderatorin von Lesungen und Podiumsdiskussionen auf der Bühne, am Museum Charlottenburg-Wilmersdorf kuratiert sie die Reihe Berliner Gegenwartsliteraturen.
Çiğdem Teke wurde 1977 in Dinslaken geboren. Sie studierte Schauspiel am ArtEZ Institute of the Arts in den Niederlanden und arbeitete danach eng mit der Regisseurin Susanne Kennedy zusammen, erst am Nationaltheater in Den Haag und später an den Münchner Kammerspielen, wo sie von 2011 bis 2015 festes Ensemblemitglied war. Seit 2015 ist sie fester Bestandteil des Maxim Gorki Ensembles.
Mimmi Woisnitza ist Kulturwissenschaftlerin und forscht zur Genealogie emanzipatorischer und revolutionärer Tanz-/Theaterformen. Seit 2017 ist sie als Post-Doc am Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg tätig, seit 2022 im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1512 "Intervenierende Künste" zunächst mit einem Projekt zur lettischen proletarisch-revolutionären Theatermacherin Asja Lācis (1891-1979), in der zweiten Förderphase mit einem Projekt zur Rückkehr emanzipatorischer Tanz- und Theaterformen in die SBZ und frühe DDR und deren Spuren.
Erik Zielke, geboren 1989 auf Rügen, ist Theaterredakteur der Tageszeitung nd. Er studierte Buchwissenschaft und Slawistik sowie Osteuropastudien in Mainz und Berlin. Von 2014 bis 2021 arbeitete er als Lektor im Verlag Theater der Zeit und war darüber hinaus als freier Theaterkritiker tätig. Zuletzt erschien das von ihm gemeinsam mit Jakob Hayner herausgegebene Buch »Georg Lukács. Texte zum Theater«.
Programmflyer
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Literaturliste
Hier geht es zur LfB Literaturliste Antifaschistische deutschsprachige Literatur (1918-1945), kuratiert von Wiebke von Bernstorff, Sebastian Schweer, Lisa Brunke