Die Erde, »die große Nährerin«. Brechts grüne Revolution

»Vorwärts und nicht vergessen / Worin unsere Stärke besteht …« In Brechts Solidaritätslied verwandelt erst die Revolution den Planeten in die »große Nährerin«. Es ist das Jahr 1944, die Zeit, in der auch »Der Kaukasische Kreidekreis« entsteht. Die Fragen von Bodennutzung, Bewässerung und Ertragssteigerung bestimmen die Rahmenhandlung. Wenig später, im Jahr 1950, folgt das Langgedicht »Die Erziehung der Hirse«, das die Leistungen der Moskauer Akademie für Agrarwissenschaften unter seinem berüchtigten Präsidenten Lyssenko feiert. Die Industrialisierung der Landwirtschaft weitet sich während des Kalten Krieges als »grüne Revolution« zu einem globalen Projekt aus, in dem Züchtung, Chemikalien- und Maschineneinsatz zusammenwirken. In die DDR gelangen Traktoren über den Umweg der UdSSR, die im Agrarsektor eng mit den USA kooperiert. Heiner Müllers »Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande« (1961) nimmt diesen Faden auf mit seiner komödiantischen Sicht auf die Zeit zwischen Bodenreform und Kollektivierung der Landwirtschaft. Wenige Wochen nach dem Mauerbau von B.  K. Tragelehn uraufgeführt wird das Stück zu einem der größten Theaterskandale der DDR.

 

Heute wissen wir, dass die »grüne Revolution« zu den stärksten Treibern der Klimakrise gehört. Die Bewegung der brasilianischen Landlosen, eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit, kämpft gegen die Auswirkungen dieser Entwicklung. Doch auch im globalen Norden wächst das Bewusstsein dafür, wie instabil das Ernährungssystem geworden ist. Der Öko-Marxist Jason Moore spricht davon, dass der Klassenkampf des 21. Jahrhunderts um die industrielle Lebensmittelproduktion geführt werden wird. »Beim Hungern und beim Essen / Vorwärts, nicht vergessen: / Die Solidarität!«

 

Brechts Werk bietet erstaunlich viele Anknüpfungspunkte, um auf diese Situation zu reagieren. Das liegt nicht nur an seinen an Marx geschulten technik- und wissenschaftssoziologischen Einsichten, sondern entspringt auch seinem Ziel einer poetischen »Anstrengung zur Verbesserung  des Planeten«, auf dem die vom Kapitalismus befreite Menschheit sich wohnend einrichten soll. Hier berührt sich Brechts Schreiben auf überraschende Weise mit der populärwissenschaftlichen Text- und Bildproduktion einer utopischen Science Fiction, wie sie sich etwa in der sowjetischen Zeitschrift »Technika – molodjoschi« („Technik – der Jugend“) seit den 1930er Jahren findet. In diesen Zusammenhang gehört auch die Bewunderung für Stalins hydraulische Großprojekte, die gemäß dem »Großen Plan zur Umgestaltung der Natur« in Dimensionen von Terraforming und Climate Engineering vordrangen. Herrn Keuner hingegen lässt der Anblick von Bäumen in den Straßen der großen Städte an die Notwendigkeit denken, der umfassenden Verwertbarkeit der Natur Grenzen zu setzen. Hier bieten sich Anknüpfungspunkte für eine »Stoffwechselpolitik« (Simon Schaupp), die um die Einbettung aller Formen menschlicher Arbeit in ökologische Beziehungsgeflechte weiß. Für zeitgenössische Ökosozialist:innen wie Drew Pendergrass und Troy Vettese, das Autorenduo des Manifests »HALF EARTH SOCIALISM« (2022), avanciert Brecht damit zum wichtigen Bezugspunkt für einen Marxismus, der mit dem produktivistischen Aufbau-Pathos bricht.

 

Die Brecht-Tage 2026 gehen von diesem bislang kaum näher beleuchteten komplexen Befund in Brechts Werk aus, zum einen um die Bezüge zwischen Brechts planetarer Poetik und der »langen Grünen Revolution« (Jason Moore) sichtbar zu machen, zum anderen aber um gemeinsam mit Expert:innen und Autor:innen den Verbindungslinien zu gegenwärtigen Debatten um den drohenden Klimakollaps und den Umbau der Industriegesellschaft im Anthropozän zu folgen.

 

Projektleitung Hans-Christian von Herrmann und Alexander Karschnia

In Kooperation mit dem Netzwerk Naturwissen am Museum für Naturkunde Berlin, dem Zeiss-Großplanetarium Berlin, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Fachgebiet Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin und andcompany&Co.

Programm

Fr. 06.02.2026

19:15 bis 22:00
Preopening Brecht-Tage 2026, Filmvorführung
Einführung Vettka Kirillova

»aufzeigend das mögliche«. Die »wissenschaftlich-technische Revolution« in sowjetischen Filmen, Teil 1: »Die Frau aus dem All«

Intergalaktischer Vorabend der Brecht-Tage 2026: Dessa – ein durch Luft- und Wasserverschmutzung bedrohter Planet mit einer autokratischen Regierung, die sich vom Chaos ernährt. Auf der Erde lebt die Menschheit in einer klaren, lichten Zukunft im 23. Jahrhundert. Zwischen beiden Welten... weiterlesen

Intergalaktischer Vorabend der Brecht-Tage 2026: Dessa – ein durch Luft- und Wasserverschmutzung bedrohter Planet mit einer autokratischen Regierung, die sich vom Chaos ernährt. Auf der Erde lebt die Menschheit in einer klaren, lichten Zukunft im 23. Jahrhundert. Zwischen beiden Welten steht die geklonte Humanoidin Neeya, die die Erinnerung an ihren Heimatplaneten erst mühsam wiedergewinnen muss. Der Film schildert den Versuch der Besatzung des Raumschiffs Astra, das Regime auf Dessa zu stürzen und die natürlichen Lebensgrundlagen wieder herzustellen. Ein Science Fiction-Film zwischen Dystopie und Utopie als umweltaktivistisches Manifest.

Film: »Die Frau aus dem All / Durch Dornen zu den Sternen« (Richard Viktorow, UdSSR, Gorki-Studio, Moskau, 1981, 144 Min., DEFA-Studio für Synchronisation)

Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt: 10,- € / ermäßigt: 7,- €

Tickets über Planetarium

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Mo. 09.02.2026

18:00 bis 20:30
Eröffnung Brecht-Tage 2026, Präsentation, Diskussion
Gespräch mit Peter Berz und Helmut Höge
Moderation Karin Krauthausen. Eröffnung Hans-Christian von Herrmann und Alexander Karschnia

So wie die Erde ist / Muß die Erde nicht bleiben

»Die Erziehung der Hirse«, Brechts zuerst 1950 erschienenes Langgedicht, ist die lyrische Feier einer gesteigerten landwirtschaftlichen Produktion, wie sie seit den 1930er Jahren von der Moskauer Akademie für Agrarwissenschaften unter ihrem eng mit Stalin verbundenen Präsidenten Trofim Lyssenko in großen... weiterlesen

»Die Erziehung der Hirse«, Brechts zuerst 1950 erschienenes Langgedicht, ist die lyrische Feier einer gesteigerten landwirtschaftlichen Produktion, wie sie seit den 1930er Jahren von der Moskauer Akademie für Agrarwissenschaften unter ihrem eng mit Stalin verbundenen Präsidenten Trofim Lyssenko in großen Realexperimenten vorangetrieben wurde. Das von Paul Dessau als »Musikepos« vertonte Gedicht ergreift dabei entschieden Partei für die sowjetische Agrobiologie, die statt auf Gentechnik auf die Veränderung (oder »Erziehung«) der Pflanzen durch technische Gestaltung der Umweltbeziehungen setzte. Der Eröffnungsabend der Brecht-Tage 2026 wendet sich diesem Text, der in der Rezeption zumeist auf Verständnislosigkeit und Ablehnung stieß, ausgehend von einer Archivaufnahme aus dem Jahr 1954 zu und rückt ihn in einen zugleich werk- und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhang. Künstlerische Zusammenarbeit: Vettka Kirillova

Präsentation einer Rundfunkaufnahme des Musikepos »Die Erziehung der Hirse« von Bertolt Brecht und Paul Dessau von 1954. Anschließend Gespräch zu den biologiegeschichtlichen und agrarwissenschaftlichen Quellen der Dichtung mit Peter Berz und Helmut Höge.

Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €
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Di. 10.02.2026

14:00 bis 15:15
Filmvorführung
Einführung Matthias Schwartz

»aufzeigend das mögliche«. Die »wissenschaftlich-technische Revolution« in sowjetischen Filmen, Teil 2:
»Erde«

Oleksandr Dowschenkos »Erde« gilt als einer der größten Filme aller Zeiten. Das Meisterwerk der sowjetischen Kinoavantgarde zeigt in ikonisch gewordenen Montage-Bildern, wie die Kollektivierung der Landwirtschaft während des Ersten Fünfjahresplans bäuerliche Traditionen in der Ukraine radikal verändert. Als der Film... weiterlesen

Oleksandr Dowschenkos »Erde« gilt als einer der größten Filme aller Zeiten. Das Meisterwerk der sowjetischen Kinoavantgarde zeigt in ikonisch gewordenen Montage-Bildern, wie die Kollektivierung der Landwirtschaft während des Ersten Fünfjahresplans bäuerliche Traditionen in der Ukraine radikal verändert. Als der Film entstand, waren die fatalen Konsequenzen dieser gewaltsamen Industrialisierungspolitik und der durch sie ausgelösten Hungerkatastrophen noch nicht bekannt. Heute ist Dowschenkos »Erde« vor allem ein einzigartiges Kinokunstwerk, das in unvergesslichen und emotional aufrüttelnden poetischen Filmbildern das damalige Verhältnis zur Umgestaltung der Natur darstellt.

Film: Erde (Oleksandr Dowschenko, UdSSR 1930, 75 Min., Stummfilm mit engl. UT)

Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt: 10,- € / ermäßigt: 7,- €

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16:00 bis 17:30
Gespräch
Mit Klaus Gestwa und Theresa Hannig
Moderation Vettka Kirillova und Matthias Schwartz

Gespräch zur dreiteiligen Filmreihe »aufzeigend das mögliche«

Der Historiker Klaus Gestwa und die Schriftstellerin Theresa Hannig diskutieren, ausgehend von den auf den Brecht-Tagen gezeigten Filmen, Fragen der sowjetischen Technopolitik und Umweltgeschichte im Zeitraum zwischen den 1930er und 1980er Jahren. Der Spannungsbogen reicht dabei in thematischer Hinsicht von... weiterlesen

Der Historiker Klaus Gestwa und die Schriftstellerin Theresa Hannig diskutieren, ausgehend von den auf den Brecht-Tagen gezeigten Filmen, Fragen der sowjetischen Technopolitik und Umweltgeschichte im Zeitraum zwischen den 1930er und 1980er Jahren. Der Spannungsbogen reicht dabei in thematischer Hinsicht von den mit der Beseitigung der agrarischen Lebensweise verbundenen sozialrevolutionären Wirkungen bis zum Erschrecken vor der Zerstörung der Lebensgrundlagen in der Industriegesellschaft, in ästhetischer Hinsicht vom Avantgarde-Kino bis zum Science-Fiction-Film.

Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt: 7,- € / ermäßigt: 5,- €

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16:00 bis 19:00
Begleitprogramm: Workshop

Lakto-Fermentationsworkshop

Fermentation ist mehr als eine uralte Methode zur Haltbarmachung von Lebensmitteln – sie ist ein Sinnbild für Transformation, Gemeinschaft und lebendige Prozesse. Wie Mikroorganismen Gemüse in aromatische Lebensmittel verwandeln, so kann auch unser Umgang mit Ernährung und Landwirtschaft im Wandel... weiterlesen

Fermentation ist mehr als eine uralte Methode zur Haltbarmachung von Lebensmitteln – sie ist ein Sinnbild für Transformation, Gemeinschaft und lebendige Prozesse. Wie Mikroorganismen Gemüse in aromatische Lebensmittel verwandeln, so kann auch unser Umgang mit Ernährung und Landwirtschaft im Wandel begriffen werden: hin zu mehr Achtsamkeit, Kreisläufen und Verbundenheit mit dem, was wir essen. In dem Workshop tauchen wir gemeinsam in die faszinierende Welt der Lakto-Fermentation ein: Ein Prozess, der zeigt, wie aus Rohem etwas Neues entsteht und wie Nährstoffe, Geschmack und Gemeinschaft gleichzeitig gären und wachsen können. Zu Beginn starten wir mit einer theoretischen Einführung über die Grundlagen der Lakto-Fermentation um anschließend durch eine Verkosten die Vielfalt mikrobieller Kulturen zu erleben. Im zweiten Teil kommen wir selbst ins Tun und stellen unser eigenes Gemüseferment her. Zum Abschluss gibt es noch einen Einblick in die süße Fermentation mit Honig.

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

Anmeldung erforderlich: netzwerknaturwissen@mfn.berlin

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18:00 bis 19:00
Vortrag
Vortrag von Sebastian Kirsch

»Brecht im Planetarium. Konstellationen von Sternen und Menschen«

Das Planetarium dient Brecht als Modell für einen neuen Typus der Dramatik. Bewegungen der Sterne und Bewegungen der Menschen erscheinen darin gleichermaßen als Konstellationen; »ohne Halt und in großer Fahrt« sind die Gestirne am Himmel und die Menschen auf der... weiterlesen

Das Planetarium dient Brecht als Modell für einen neuen Typus der Dramatik. Bewegungen der Sterne und Bewegungen der Menschen erscheinen darin gleichermaßen als Konstellationen; »ohne Halt und in großer Fahrt« sind die Gestirne am Himmel und die Menschen auf der Erde. In collageartiger Weise zeichnet der Vortrag einige Beziehungen zwischen astronomischer und theatraler Demonstration nach. Eröffnet Brechts Planetariums-Bühne Wege, »aus den Kräften des Kosmos zu leben« (Walter Benjamin)? Und wo führen diese Wege ins heutige Zeitalter des »Planetaren«?

Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Ticket: Eintritt frei!
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19:30 bis 22:00
Filmvorführung
Einführung Matthias Schwartz

»aufzeigend das mögliche«. Die »wissenschaftlich-technische Revolution« in sowjetischen Filmen, Teil 3:
»Neun Tage eines Jahres«

Michail Romms Film »Neun Tage eines Jahres« ist einer der wichtigsten Filme der Tauwetterzeit, als nach Stalins Tod eine kritischere Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart in der Sowjetunion möglich wurde. Während Romm in Deutschland vor allem durch seinen Dokumentarfilm »Der... weiterlesen

Michail Romms Film »Neun Tage eines Jahres« ist einer der wichtigsten Filme der Tauwetterzeit, als nach Stalins Tod eine kritischere Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart in der Sowjetunion möglich wurde. Während Romm in Deutschland vor allem durch seinen Dokumentarfilm »Der Gewöhnliche Faschismus« (1965) noch heute bekannt ist, der sich der totalitären Vergangenheit widmet, sind die Neun Tage eines Jahres der damals brennenden Physiker-und-Lyriker-Debatte gewidmet. In ihr ging es um den Status von Kunst und Wissenschaft für die junge rebellierende Generation. Bei Romm experimentieren zwei junge Atomphysiker, beide in dasselbe Mädchen verliebt, mit Verfahren der Kernspaltung, wobei einer sich eine tödliche Strahlendosis einfängt: war der Forschungsenthusiasmus dieses Lebensrisiko wert? Die in dem Film aufgeworfenen Fragen ethischer und gesellschaftlicher Verantwortung, die auch private Beziehungen miteinschließt, sind auch heute noch von anhaltender Aktualität.

Film: Neun Tage eines Jahres (Michail Romm, UdSSR 1962, 111 Min., OV mit dt. UT)

Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt: 10,- € / ermäßigt: 7,- €

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Mi. 11.02.2026

10:00 bis 13:00
Begleitprogramm: Workshop

Die Erziehung der Hirse

Wer Brechts »Erziehung der Hirse« nur für ein harmloses Naturstück hält, irrt gewaltig. Hinter dem scheinbar schlichten Bild vom Wachsen und Werden entfaltet sich ein Gedicht von überraschender Komplexität – ein Text, der ebenso viel über die Welt erzählt wie... weiterlesen

Wer Brechts »Erziehung der Hirse« nur für ein harmloses Naturstück hält, irrt gewaltig. Hinter dem scheinbar schlichten Bild vom Wachsen und Werden entfaltet sich ein Gedicht von überraschender Komplexität – ein Text, der ebenso viel über die Welt erzählt wie über den Menschen, der in ihr handelt.

In dem Workshop lädt das Netzwerk Naturwissen Schüler:innen dazu ein, diesem vielschichtigen Werk mit neugierigen Augen zu begegnen. Wir wechseln bewusst die Perspektive: Wie liest ein Historiker das Gedicht, der Brechts Text in den Windschatten politischer Umbrüche stellt? Welche Fäden entdeckt eine Literaturwissenschaftlerin, wenn sie der Sprache, den Bildern und dem Bau des Gedichts folgt? Und was sieht ein Biologe, dem das stille Wissen über Böden, Witterung und Wachstum sofort ins Auge springt? Aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln entsteht ein überraschend reiches Panorama. Der Text beginnt zu leuchten, weil er nicht länger eindimensional gelesen wird, sondern als das, was er ist: eine kleine Parabel über Einsicht, Geduld und den klugen Umgang mit der Wirklichkeit.

Am Ende führen wir alle Perspektiven zusammen, wie Erntekörner, die erst im Zusammenspiel einen vollen Sack ergeben. So entsteht ein Bild, das mehr ist als die Summe seiner Teile, und Brechts Gedicht zeigt sich in seiner ganzen feinen, manchmal widerspenstigen Schönheit. Ziel des Workshops ist es also, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie ökonomische, ökologische und politische Machtverhältnisse Landwirtschaft und Ernährung beeinflussen. Dadurch sollen Verbindungen zwischen dem historischen Kontext, der aktuellen Ernährungspolitik und potentiellen individuellen Handlungsmöglichkeiten hergestellt werden.

Ein Workshop für alle, die Lust haben, sich von Literatur irritieren, inspirieren und ein wenig erziehen zu lassen.  (Ab Klasse 11)

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

Anmeldung erforderlich: netzwerknaturwissen@mfn.berlin

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16:00 bis 17:00
Begleitprogramm: Führung

Queering Nature

Die Führung zum Thema Queering Nature rückt die queergeschichtliche Sicht auf Natur und Wissenschaft in den Vordergrund und geht anhand der Ausstellung unter anderem den Fragen nach: Wie wird Natur sexualisiert? Wie finden Forschende das Geschlecht bei einem Saurier heraus?... weiterlesen

Die Führung zum Thema Queering Nature rückt die queergeschichtliche Sicht auf Natur und Wissenschaft in den Vordergrund und geht anhand der Ausstellung unter anderem den Fragen nach: Wie wird Natur sexualisiert? Wie finden Forschende das Geschlecht bei einem Saurier heraus? Was hat Kolonialismus mit Botanik und Geschlecht bei Pflanzen zu tun? Welches und wessen Wissen wird im Museum für Naturkunde (re-)präsentiert? Und was bleibt verborgen?

 

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

Anmeldung erforderlich: netzwerknaturwissen@mfn.berlin

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17:00 bis 18:00
Podiumsgespräch
Troy Vettese im Gespräch mit Dirk Baecker und Maike Weißpflug
Moderation Alexander Karschnia

A Plan to Save the Future from Collaps: Half Earth Socialism

Ein wichtiges Vermächtnis des Naturforschers E.O. Wilson ist die Schrift »Die Hälfte der Erde«. Darin fordert er uns auf, die halbe Erdkugel der Natur zu überlassen. Troy Vettese und Drew Pendergrass greifen mit »HALF EARTH SOCIALISM« diese Forderung auf. Für... weiterlesen

Ein wichtiges Vermächtnis des Naturforschers E.O. Wilson ist die Schrift »Die Hälfte der Erde«. Darin fordert er uns auf, die halbe Erdkugel der Natur zu überlassen. Troy Vettese und Drew Pendergrass greifen mit »HALF EARTH SOCIALISM« diese Forderung auf. Für sie gibt es als Alternative zur Rückverwilderung nur gigantische Geoengineering-Programme. Um die Gefahr solcher Naturbeherrschung zu verdeutlichen, lesen sie die Klassiker der neoliberalen Literatur gegen den Strich. Hayeks These der »Agnotologie«, der Nichterkennbarkeit, wird vom Kopf auf die Füße gestellt: Nicht Märkte, sondern Ökosysteme sind zu komplex, um sie zu regulieren. Kann dieser Gedanke die Basis sein für ökologische Politik in Zeiten des drohenden Kollapses?

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
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18:30 bis 19:30
Podiumsgespräch
Mit Drew Pendergrass, Sebastian Kirsch, Tom Turnbull und Patrick Primavesi
Moderation Maike Weißpflug

Vom Nutzen und Nachteil vom Verändern von Modellen

Brechts Vorliebe für »Modelle« ist vielleicht wenig bekannt, prägt aber seinen Beitrag zu einem »Theater des wissenschaftlichen Zeitalters«. Walter Benjamin schrieb dazu: »Es kann so kommen, aber es kann auch ganz anders kommen; das ist die Grundhaltung dessen, der für... weiterlesen

Brechts Vorliebe für »Modelle« ist vielleicht wenig bekannt, prägt aber seinen Beitrag zu einem »Theater des wissenschaftlichen Zeitalters«. Walter Benjamin schrieb dazu: »Es kann so kommen, aber es kann auch ganz anders kommen; das ist die Grundhaltung dessen, der für das epische Theater schreibt.« In den Geowissenschaften und speziell in der Klimaforschung sind Modelle ein fester Bestandteil eines »Theaters der Wissenschaft« wie das Denken in Szenarien, einer Lehre aus der Renaissance, der Zeit, als Galileo sein Wissen über die Sonne verheimlichen musste. Brechts Modell-Begriff weiterzudenken könnte da ansetzen, wo er selbst mit der Formulierung seiner Modelle auch deren Veränderung empfohlen hat.

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

Veranstaltung auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche

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20:00 bis 22:00
Vortrag, Gespräch
Vortrag von Jason Moore
Im Anschluss Diskussion mit Carla Reemtsma. Moderation Alexander Karschnia

From Cultures of Fear to Ecologies of Hope

Zwei Springquellen allen Reichtums hatte Marx entdeckt: Die Erde (Natur) und den Arbeiter (Arbeitskraft). In der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung war letztere lange im Fokus. Seit einigen Jahren verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf erstere, bzw. das Verhältnis der beiden. Jason Moore... weiterlesen

Zwei Springquellen allen Reichtums hatte Marx entdeckt: Die Erde (Natur) und den Arbeiter (Arbeitskraft). In der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung war letztere lange im Fokus. Seit einigen Jahren verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf erstere, bzw. das Verhältnis der beiden. Jason Moore gehört mit seinem »Weltökologie«-Ansatz zu den wichtigsten Vertretern jener neuen Generation von Öko-Marxist:innen. Statt vom Anthropozän spricht er lieber vom »Kapitalozän«. Wir können den »Stoffwechsel mit der Natur« nur neu organisieren, wenn wir Gesellschaft und Natur nicht länger als zwei voneinander getrennte Boxen betrachten, sondern als wechselseitig in einem »Lebensnetz« miteinander verbunden. Aber wie kommen wir vom Rollback und der unvermeidlichen Klimakatastrophe zum Sozialismus im »Lebensnetz«, von Kulturen der Furcht zu Ökologien der Hoffnung?

Anschließend Empfang im Sauriersaal.

Ort: Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

Veranstaltung und Diskussion auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche

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Do. 12.02.2026

14:30 bis 15:30
Begleitprogramm: Führung

Zukunftsfelder

Führung durch die Landwirtschaftsausstellung im Futurium. Informationen zur Anmeldung folgen.... weiterlesen

Führung durch die Landwirtschaftsausstellung im Futurium. Informationen zur Anmeldung folgen.

Ort: Futurium, Alexanderufer 2, 10117 Berlin
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16:00 bis 17:00
Podiumsgespräch
Gespräch mit Patrick Primavesi, Zaal Andronikashvili und Elene Shalutashvili
Moderation Sebastian Kirsch

Die Quadratur des Kaukasischen Kreidekreises. Brecht in Georgien

Im Vorspiel zu Brechts Stück »Der Kaukasische Kreidekreis«, unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges, streiten die Kolchosen der Ziegenzüchter und der Obstbauern über die Nutzung eines Tals, können sich aber schließlich einigen. Zur Ehrung der Ziegenzüchter, die im Sinne... weiterlesen

Im Vorspiel zu Brechts Stück »Der Kaukasische Kreidekreis«, unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges, streiten die Kolchosen der Ziegenzüchter und der Obstbauern über die Nutzung eines Tals, können sich aber schließlich einigen. Zur Ehrung der Ziegenzüchter, die im Sinne des Gemeinwohls auf ihre Rechte verzichten, wird eine alte, dem Ursprung nach chinesische Parabel aufgeführt. Der georgische Hintergrund galt lange als verzichtbar, war für Brecht aber zur historischen Verortung der Fabel wichtig und erreicht durch die jüngste geopolitische Entwicklung auch eine neue Brisanz. Patrick Primavesi und Elene Shalutashvili berichten von einer Brecht-Konferenz in Georgien zum 50. Jubiläum der legendären Kreidekreis-Inszenierung von Robert Sturua und sprechen mit Zaal Andronikashvili über die aktuelle Situation.

Ticket: Eintritt frei!
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17:30 bis 19:30
Präsentation, Gespräche
Mit Henrik Kuhlmann, B. K. Tragelehn, Nicola Nord und Mira Partecke. Moderation Anja Quickert
sowie Sophie von Redecker und Martin Reich

Die Umsiedler:innen oder das Sterben auf dem Lande / Grüne Revolution oder Grüne Katastrophe?

17:30 Die Umsiedler:innen oder das Sterben auf dem Lande Henrik Kuhlmann präsentiert das performative Land Art-Projekt »Bauerntheater« von David Levine und Sarah Phillips (2007) und spricht mit B. K. Tragelehn und Nicola Nord (von andcompany&Co.) über ihr aktuelles Projekt »Die... weiterlesen

17:30
Die Umsiedler:innen oder das Sterben auf dem Lande
Henrik Kuhlmann präsentiert das performative Land Art-Projekt »Bauerntheater« von David Levine und Sarah Phillips (2007) und spricht mit B. K. Tragelehn und Nicola Nord (von andcompany&Co.) über ihr aktuelles Projekt »Die Umsiedler*innen«, das an diesem Tag offiziell beginnt
Lesung Mira Partecke mit B. K. Tragelehn
Moderation Anja Quickert

Als B.K. Tragelehn im Herbst 1961 Heiner Müllers Stück »Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande« zur Uraufführung brachte, war der Skandal vorprogrammiert. Nach dem 13. August reichte ein Satz über die Staatsgrenzen, um die Obrigkeit zu provozieren. Doch um den Mauerbau ging es gar nicht, sondern um die Bodenreform und die Kollektivierung der Landwirtschaft. Zugleich gilt das Jahr 1961 als Beginn der »Grünen Revolution«. Die USA trieben die Intensivierung der Landwirtschaft voran, um die Ernährung der Menschen im Globalen Süden zu sichern: eine »Grüne Revolution« gegen eine drohende »Rote Revolution«. Eine Bevölkerungsexplosion war die Folge. Und ein neues Artensterben.

 

18:30
Grüne Revolution oder Grüne Katastrophe? Über die Zukunft der Landwirtschaft und des Ernährungssystems
Podiumsgespräch mit Sophie von Redecker und Martin Reich

Heute gilt die »Grüne Revolution« als ein Haupttreiber der »Zangenkrise« aus Erderhitzung und Artensterben. Weltweit wird nach Alternativen zur intensiven Landwirtschaft gesucht: Seien es durch Bio-Bauernhöfe, sei es durch den Ausbau alternativer Weisen der Nahrungsmittelproduktion wie z.B. durch Fermentation. Die Agrarwissenschaftlerin Sophie von Redecker diskutiert mit Martin Reich (Autor von »Revolution aus dem Mikrokosmos«) die Frage: »Was hat die Landwirtschaft je für uns getan?«

Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €
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20:00 bis 21:30
Podiumsgespräch
Heinrich Detering im Gespräch mit Troy Vettese und Drew Pendergrass

»Nichtstun fürs Klima!« Brecht’s Daoism, Useless Trees and the Action of Non-Action

Mr. Keuner's meditations on the beauty of trees prompt Troy Vettese und Drew Pendergrass to claim Brecht as a precursor to their Half Earth Socialism Program: Among Marxists, Brecht was an exception, as thanks to the influence of Daoist thinking,... weiterlesen

Mr. Keuner's meditations on the beauty of trees prompt Troy Vettese und Drew Pendergrass to claim Brecht as a precursor to their Half Earth Socialism Program: Among Marxists, Brecht was an exception, as thanks to the influence of Daoist thinking, he had an inkling of how to overcome productivism, which still dominates socialist thinking today and stands in the way of the emergence of “green socialism.” Together with Heinrich Detering, who has researched Brecht and Laozi, they discuss Brecht as an eco-socialist avant la lettre.

Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €

Veranstaltung auf Englisch / Event in English

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Fr. 13.02.2026

18:00 bis 19:30
Lesung, Gespräch
Im Gespräch mit Hanna Hamel

Magdalena Schrefel »Das Blaue vom Himmel«

Magdalena Schrefel liest aus ihrem soeben erschienenen Roman »Das Blaue vom Himmel«, dessen Figuren nach der Beschreibung des Himmelsblaus suchen, kurz bevor die Stratosphäre durch eine Geoingeneering-Maßnahme verdunkelt werden soll. Mit Hanna Hamel spricht die Autorin über die erzählerische Erkundung... weiterlesen

Magdalena Schrefel liest aus ihrem soeben erschienenen Roman »Das Blaue vom Himmel«, dessen Figuren nach der Beschreibung des Himmelsblaus suchen, kurz bevor die Stratosphäre durch eine Geoingeneering-Maßnahme verdunkelt werden soll. Mit Hanna Hamel spricht die Autorin über die erzählerische Erkundung und Gestaltung neuer technischer Möglichkeiten und über deren Wechselwirkungen mit dem individuellen Erinnern, Wahrnehmen und Erleben.

Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €
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20:00 bis 22:00
Vortrag, Gespräch
Vortrag von Simon Schaupp 
Anschließend Gespräch mit Hans-Christian von Herrmann und Alexander Karschnia

»Die Heilige Johanna und der ökologische Eigensinn in den Schlachtfabriken«

Die Schlachthöfe von Chicago sind dank Brechts »Heiliger Johanna« heute noch vielen ein Begriff. Die Bedeutung dieser Fleischfabriken ist jedoch kaum zu überschätzen: Sie waren nicht nur Ort heftiger Arbeitskämpfe, sondern aus eben diesem Grund auch ein Hort revolutionärer technischer... weiterlesen

Die Schlachthöfe von Chicago sind dank Brechts »Heiliger Johanna« heute noch vielen ein Begriff. Die Bedeutung dieser Fleischfabriken ist jedoch kaum zu überschätzen: Sie waren nicht nur Ort heftiger Arbeitskämpfe, sondern aus eben diesem Grund auch ein Hort revolutionärer technischer Innovationen: Hier wurde sowohl das Fließband als auch die Kühltechnik entwickelt. Die Fleischindustrie ist ein paradigmatischer Ort für das, was Simon Schaupp als »Stoffwechselpolitik« bezeichnet: Die Arbeitswelt als politische Arena, in der gesellschaftliche Naturverhältnisse ausgehandelt werden. Nicht nur die Widerspenstigkeit der Arbeit, sondern auch die Widerspenstigkeit der Natur, etwa in Form verrottender Tierkörper haben die Geschichte der Arbeit wesentlich geprägt. Mit dieser Perspektive eröffnet Schaupp ein Verständnis von Arbeit als zentralem Ort der Verursachung und auch der Bearbeitung der sich zuspitzenden ökologischen Krise.

Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €
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Booklet

Hier gibt es das Programmbooklet der Brecht-Tage 2026 zum Download:

Mitwirkende

Zaal Andronikashvili

Literaturwissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) in Berlin und Professor an der Ilia State University in Tbilisi. Studium der Germanistik, Geschichte und Archäologie an der Staatlichen Ivane-Javakhishvili-Universität Tbilissi und an der Universität des Saarlandes. Seine Forschungsschwerpunkte sind Narratologie, Weltliteratur und kleine Literatur(en), kulturelle Semantik, politische Theologie sowie sowjetische und postsowjetische Kulturgeschichte mit Fokus auf Georgien.

Dirk Baecker

Soziologe, zuletzt Seniorprofessor für Organisations- und Gesellschaftstheorie an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen am Bodensee. Arbeitsgebiete: Soziologische Theorie, Kulturtheorie, Wirtschaftssoziologie, Organisationsforschung und Managementlehre. Einschlägige Publikationen: »Müllers Vermutung« (Lettre International 43, 1998); Wozu Theater? (Theater der Zeit, 2013); »Von der Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen: Zu Heiner Müller« (Merkur 813, Februar 2017).

Peter Berz

Kultur- und Medienwissenschaftler. Privatdozent am Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin. Er forscht und lehrt zur biologischen Medientheorie.

Heinrich Detering

Literaturwissenschaftler, Lyriker, Übersetzer. Lehrte Deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft in München, Kiel und Göttingen. Neben literarischen Veröffentlichungen und Übersetzungen eine Reihe von Büchern zur deutschen, skandinavischen und amerikanischen Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, zuletzt drei Bände zum Verhältnis von Literatur und Ökologie: »Menschen im Weltgarten« (2020), »Holzfrevel und Heilsverlust: Annette von Droste-
Hülshoff« (2020) und »Die Revolte der Erde: Karl Marx und die Ökologie« (2025).

Klaus Gestwa

Historiker. Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Universität Tübingen. Forschungsgebiet u.a.: Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte der Sowjetunion.

Hanna Hamel

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Literaturwissenschaft der TU Berlin. Im Rahmen der Brecht-Tage 2026 leitet sie gemeinsam mit Magdalena Schrefel eine Schreibwerkstatt mit Studierenden der TU Berlin zum Thema »Wir und unsere Technik sind noch nicht natürlich«.

Theresa Hannig

Schriftstellerin mit Schwerpunkt Science Fiction. Sie studierte Politikwissenschaft und arbeitete als Softwareentwicklerin, Projektmanagerin und Lichtdesignerin, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben zuwandte. In ihren literarischen Texten, ihrer taz-Kolumne »Über Morgen« und ihrer Arbeit als Speakerin geht es um Zukunftsthemen wie Gesellschaft und KI, Demokratie und Überwachung, Klimawandel, Zukunft der Arbeit und Frauen in der digitalen Welt.

Hans-Christian von Herrmann

Hans-Christian von Herrmann leitet das Fachgebiet Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Grenzbereich von Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte. Zusammen mit Alexander Karschnia kuratiert er die Brecht-Tage 2026.

Helmut Höge

Journalist und Schriftsteller. Er war zeitweise als Zoogehilfe, landwirtschaftlicher Betriebshelfer und US-Dolmetscher tätig, widmete sich zudem sozialwissenschaftlichen und biologischen Studien. Seine Essays und Kolumnen erscheinen u.a. in der Berliner Tageszeitung taz. Zu seinen Buchpublikationen gehört die Tierbuch-Reihe »Kleiner Brehm« im Verlag Peter Engstler.

Alexander Karschnia

Theatermacher und Autor, Kurator und Dramaturg. Mitbegründer von andcompany&Co., wo er als Ko-Regisseur und Performer mitwirkt. Er schreibt über und für Theater, u.a. über Brecht, Müller, Schlingensief, Pollesch und Hannah Arendt. Seine Arbeiten zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus beinhalten Lecture Performances und die Organisation von Konferenzen. Zusammen mit Hans-Christian von Hermann kuratiert er die Brecht-Tage 2026.

Vettka Kirillova

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie arbeitet in Berlin als Dramaturgin, Produzentin und Regisseurin. Sie realisierte Performanceprojekte mit andcompany&Co. und Filmprojekte mit Andrei Nekrasov.

Sebastian Kirsch

Theater- und Literaturwissenschaftler. Lehre in Bochum, Düsseldorf, Stockholm und Wien. Er arbeitete als Redakteur und Autor von Theater der Zeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind politische Philosophie (Gouvernementalität / Environmentalität) im Horizont des Gegenwartstheaters und immer wieder Brecht und Müller.

Karin Krauthausen

Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Mitarbeiterin im Projekt »Weaving« des Exzellenzclusters Matters of Activity der HU Berlin. 2025 hat sie im Verlag Diaphanes das Buch »Landwirtschaft und Literatur« herausgegeben.

Henrik Kuhlmann

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften bei Hans-Thies Lehmann in Frankfurt am Main. Zuletzt leitete er im Team die Schauspielsparte des Volkstheaters Rostock. Darüber hinaus schrieb und veröffentlichte er Texte für und über das Theater und erhielt regelmäßig Lehraufträge für Theaterdramaturgie.

Jason W. Moore

Autor und Umwelthistoriker. Er lehrt am Department of Sociology an der Binghamton University im US-Bundesstaat New York. Dort koordiniert er das World-Ecology Research Collective. Sein Forschungsinteresse gilt u.a. dem Zusammenhang von Umweltgeschichte und Kapitalismus. Publikation auf deutsch: »Kapitalismus im Lebensnetz. Ökologie und die Akkumulation des Kapitals«.

Nicola Nord

Theatermacherin, Performerin und Sängerin. Nach dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt am Main, Künstlerinnen-Stipendium bei DasArts, Amsterdam. Mitbegründerin von andcompany&Co., dort arbeitet sie hauptsächlich als Regisseurin, Co-Autorin und Performerin.

Mira Partecke

Sie war nach dem Studium an der Westfälischen Schauspielschule Bochum festes Ensemblemitglied am Berliner Ensemble, an den Münchner Kammerspielen und an der Volksbühne Berlin. Sie arbeitete intensiv mit Christoph Schlingensief und mit Tatjana Turanskyj. 1995, in ihrem ersten Engagement am Berliner Ensemble, wurde sie von B.K. Tragelehn in »Die Umsiedlerin« von Heiner Müller als Titelheldin besetzt und wird auch in »Die Umsiedler*innen« von andcompany&Co. mitspielen.

Drew Pendergrass

Postdoktorant an der Duke University. In seiner wissenschaftlichen Forschung nutzt er Satelliten-, Flugzeug- und Bodenbeobachtungen der Atmosphäre, um Umweltverschmutzungen bis zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen, wobei sein Schwerpunkt auf der Landwirtschaft liegt. Seine Artikel zum Thema Umwelt wurden unter anderem in Harper’s, The Guardian und Jacobin veröffentlicht. Zusammen mit dem Historiker Troy Vettese ist er Co-Autor des Buches »Half-Earth Socialism« (2022). Ein auf dem Buch basierendes Videospiel wurde bereits von 200.000 Menschen gespielt: https://play.half.earth/

Patrick Primavesi

Patrick Primavesi ist Professor am Institut für Theaterwissenschaft der
Universität Leipzig, das er seit 2017 als geschäftsführender Direktor leitet. Er ist im Vorstand des Tanzarchiv Leipzig e.V. und Co-Direktor des Centre of Competence for Theatre. Seit 2016 koordiniert er die AG ARCHIV in der Gesellschaft für Theaterwissenschaft (gtw), seit 2021 ist er mit dem Schwerpunkt Datenstandards für die Performing Arts beteiligt am DFG Konsortium NFDI4Culture. Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind (neben Bertolt Brecht, Walter Benjamin und Heiner Müller) Geschichte und Theorie von Theater, Tanz und Performance, Dramaturgien von Öffentlichkeit und Bewegung im urbanen Raum sowie Archive kultureller Praxis in digitalen Umgebungen. Zur Zeit leitet er ein Forschungsprojekt mit Zeitzeug:innen zum Tanz in der DDR, in Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.

Anja Quickert

Anja Quickert schreibt v.a. für das Fachmagazin Theater heute. Seit 2011 ist sie die Geschäftsführerin der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft und hat deren Veranstaltungsreihen geleitet und Festivals, Projekte und Konferenzen realisiert. Darüber hinaus arbeitet sie als freie Dramaturgin, ist in diversen Jurys tätig und hat u.a. an der Universität Trier, der Universität der Künste Berlin und der FH Potsdam unterrichtet. Ihre Forschungsschwerpunkte bestehen in den Arbeits- und Produktionsbedingungen der freien Theaterlandschaft sowie experimentellen und internationalen Ästhetiken.

Sophie von Redecker

Sophie von Redecker war bis Ende 2025 Fellow am Panel on Planetary Thinking in Gießen, Sie schließt aktuell ihre Promotion, welches durch ein Stipendium der Rosa-Luxenburg Stiftung gefördert wurde, in den Ökologischen Agrarwissenschaften an der JLU Gießen ab. In dieser schlägt sie die Agrarian Humanities als neues Forschungsfeld vor, welches die Agrarwissenschaften um Ansätze aus More-than-Human-Studies, Environmental Humanities, künstlerische Forschungen und dekolonialer Wissenschaftskritik ergänzt. Mit einem Fokus auf Mensch-Natur-Verhältnisse verbindet sie Neue Materialismen, postkoloniale und queere Theorien. Sie ist staatlich-anerkannte Schauspielerin und kuratierte mehrere Ausstellungen, die aus wissenschaftlich-künstlerischen Forschungen entstanden sind. Sophie ist in der Steuerungsgruppe des Promotionskollegs „Krise und sozial-ökologische Transformation“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Ihre erste Ausbildung erhielt sie von Schafen, Mähdreschern und sandigem Boden auf dem elterlichen Biohof.

Carla Reemtsma

Carla Reemtsma gilt als eines der prägendsten Gesichter der Klimaschutzbewegung Fridays For Future, die sie als Sprecherin auch bundesweit vertritt. An der Berliner Humboldt-Universität zu Berlin studiert sie zur Zeit »Integrated Natural Resource Management«. 2023 gründete sie die Organisation »Das Momentum«, die Pressegespräche und Briefings mit Sachverständigen anbietet. Sie ist Mitglied des Aufsichtsrats der Smart Energy for Europe Platform (SEFEP) gGmbH, der Trägerorganisation der Agora Energiewende. Ihre Großmutter ist die Aktivistin Dagmar Reemtsma, eine ihrer Cousinen die Aktivistin Luisa Neubauer.

Martin Reich

Martin Reich ist promovierter Biologe und Mitgründer des Öko-Progressiven Netzwerkes. Während seiner Promotion hat er vor allem an der Nährstoffeffizienz von Nutzpflanzen und dem Einfluss des Klimawandels auf diese geforscht. Heute ist er in der Life-Science-Kommunikation und als wissenschaftlicher Referent für Themen wie Bioökonomie, Biotechnologie und Ernährung tätig. 2024 erschien sein Buch »Revolution aus dem Mikrokosmos«. Er ist Mitglied des Netzwerkes Naturwissen am Museum für Naturkunde.

Simon Schaupp

Soziologe. Er arbeitet als BOFZAP-Forschungsprofessor an der KU Leuven (Belgien). Zudem leitet er am Frankfurter Institut für Sozialforschung das Projekt »Ökologischer Eigensinn«. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ökologie, Arbeit und Digitalisierung. 2024 erschien »Stoffwechselpolitik. Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten«.

Matthias Schwartz

Slawist und Historiker. Ko-Direktor des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin. Er forscht und lehrt u.a. zu Populärkulturen und Jugendkulturen im Osten Europas sowie zu Weltraumdarstellungen und Raumfahrt in sowjetischer Science Fiction und populärwissenschaftlicher Publizistik.

Magdalena Schrefel

Magdalena Schrefel studierte Europäische Ethnologie in Wien und Literarisches Schreiben in Leipzig. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen, für die sie vielfach ausgezeichnet wurde, zuletzt 2024 für »Die vielen Stimmen meines Bruders«. Im Januar 2026 erschien ihr Romandebüt »Das Blaue vom Himmel«.

Elene Shalutashvili

Georgische Theaterwissenschaftlerin und Theaterkritikerin. Sie forschte zum Prozess der Herausbildung nationaler Identität im georgischen Theater während der zaristischen Herrschaft Russlands und der Sowjetunion. In diesem Zusammenhang entstand ihre intensive Auseinandersetzung mit der Inszenierung von Bertolt Brechts »Der kaukasische Kreidekreis« aus dem Jahr 1975. Diese Inszenierung gilt bis heute als Symbol für den Widerstand und die künstlerische Selbstbehauptung des georgischen Theaters in
der Sowjetzeit.

B.K. Tragelehn

Regisseur, Dichter und Übersetzer, letzter Meisterschüler Brechts und langjähriger Freund von Heiner Müller. Mit der Uraufführung von dessen Stück »Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande« im September 1961 an der Studentenbühne der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst hat er Theatergeschichte geschrieben – die Aufführung gilt als der größte Skandal in der Geschichte des Theaters der DDR. Tragelehn musste zur Bewährung in die Produktion im Braunkohletagebau und durfte erst nach Fürsprache von Paul Dessau wieder inszenieren. Tragelehns Dresdner Inszenierung aus dem Jahr 1985, die auf ausgedehnte West-Tournee ging, gilt heute als Abgesang auf die DDR.

Thomas Turnbull

Thomas Turnbull ist Geograf und Historiker und interessiert sich für Energie, Umwelt und kybernetische Kontrollfantasien. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Adam Wickberg hat er eine dreijährige Untersuchung zur historischen Erkenntnistheorie, politischen Ökologie und politischen Ökonomie der Erdsystemwissenschaft organisiert. Zuletzt arbeitete er in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Imani Jacqueline Brown an einem Essay mit dem Titel »Earth is not a system«.

Troy Vettese

Umwelthistoriker und Ciriacy-Wantrup-Stipendiat für politische Ökonomie und Umwelt an der University of California, Berkeley. Er war Stipendiat an der Harvard University, dem European University Institute und der Universität Kopenhagen. Sein erstes Buch, »Half-Earth Socialism« (2022) verfasste er gemeinsam mit dem Klimawissenschaftler Drew Pendergrass. Die beiden schreiben derzeit an einer Fortsetzung, die ein Kapitel über Brecht und den Daoismus enthält. Ein auf dem Buch basierendes Videospiel wurde bereits von 200.000 Menschen gespielt: https://play.half.earth/

Maike Weißpflug

Politische Theoretikerin und Autorin. Neben Hannah Arendt beschäftigt sie sich mit globalen Umweltfragen und sucht nach Umgangsweisen mit den multiplen Krisen unserer Gegenwart. Am Museum für Naturkunde Berlin hat sie vielfältige Projekte im Bereich Citizen Science und partizipative Wissenschaft durchgeführt und internationale Netzwerke in dem Bereich aufgebaut. Aktuelle arbeitet sie beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) als Beteiligungsexpertin an der Endlagersuche für hochradioaktive Abfälle. Maike Weißpflug unterstützt andcompany&Co. dabei, im Laufe ihrer Arbeit zu Müllers »Umsiedlerin« selbst zu »citizen scientists« zu werden.