»Der Tag war vier, der Tag war acht, der Tag war zwölf Stunden alt und ich lief durch eine Gegenwart, die sich bewusstlos spreizte. Ich konnte die Schnelligkeit der Schnelligkeit in meinem Anlauf fühlen, die Höhe der Höhe in meinem Sprung spüren, die Stille der Stille in meinem Körper hören, wenn er sich im Flug um sich selbst drehte. In dieser Zeit ohne Zeit hielt ich mich auf, war noch ohne Publikum, war für mich, obwohl mir alle zuschauen konnten.«
Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski in ihrem schon jetzt vielgelobten Debütroman von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte sind in diese Geschichte eingewoben. »Die Routinen« seziert ein ausbeuterisches System, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.
»Der Roman ist ein sehr interessantes Beispiel für Literatur nach #MeToo. Er trifft uns gerade zum richtigen Zeitpunkt, jetzt, da die journalistische Berichterstattung über die Epstein-Files abgeebbt ist. Als Roman kann »Die Routinen« in einer ganz anderen Dringlichkeit davon erzählen, wie so ein systematischer, pädophiler Blick funktioniert. Der Erkenntnisgewinn für die Gesellschaft nach #MeToo ist nicht zu unterschätzen«, urteilt Miriam Zeh in der 3sat Kulturzeit.
Buchpremiere, Lesung, Gespräch
Son Lewandowski »Die Routinen«
Do. 29.01. 20:00
Moderation: Miriam Zeh
Tickets gibt es hier.
|