Die Brecht-Tage widmen sich dieses Jahr der Industrialisierung der Landwirtschaft und damit der Beziehung von Technik und Natur. Anders als in den Vorjahren, gibt es Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Stadt, auch über das Literaturforum im Brecht-Haus hinaus. Das Programm umfasst Vorträge und Podiumsgespräche im Museum für Naturkunde Berlin, sowjetische Avantgarde-Filme im Zeiss-Großplanetarium, naturkundliche Workshops und Führungen im Museum für Naturkunde und im Futurium u.v.m.
Christian Hippe, Leiter des Literaturforums im Brecht-Haus, bedankt sich bei allen Partnerinstitutionen und freut sich auf die Zusammenarbeit:
»Die Brecht-Tage 2026 gehen in die Stadt hinaus und suchen nach Schnittstellen zwischen Diskursen und Orten. Futurium, Museum für Naturkunde Berlin und Planetarium werden zu Bühnen, um neue Perspektiven auf Brechts Schaffen zu legen – um Brecht zu korrigieren oder weiterzudenken.«
Das Motto der Brecht-Tage lautet »Die Erde, ›die große Nährerin‹ Brecht grüne Revolution«, wobei »grüne Revolution« sich dezidiert auf die »Industrialisierung der Landwirtschaft« bezieht. Während des Kalten Krieges weitete sich die Industrialisierung der Landwirtschaft als »grüne Revolution« zu einem globalen Projekt aus, in dem Züchtung, Chemikalien- und Maschineneinsatz zusammenwirken. Heute wissen wir, dass die »grüne Revolution« zu den stärksten Treibern der Klimakrise gehört. Die Bewegung der brasilianischen Landlosen, eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit, kämpft gegen die Auswirkungen dieser Entwicklung. Doch auch im globalen Norden wächst das Bewusstsein dafür, wie instabil das Ernährungssystem geworden ist.
Brechts Werk bietet viele Anknüpfungspunkte, um auf diese Situation zu reagieren. Das liegt nicht nur an seinen an Marx geschulten technik- und wissenschaftssoziologischen Einsichten, sondern entspringt auch seinem Ziel einer poetischen »Anstrengung zur Verbesserung des Planeten«, auf dem die vom Kapitalismus befreite Menschheit sich wohnend einrichten soll.
Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Hans-Christian von Herrmann (TU Berlin), einer der beiden Kuratoren der Brecht-Tage, bringt es wie folgt auf den Punkt:
»Brecht hatte kein ausgeprägtes Interesse an der Landwirtschaft, aber doch an der Frage, wie ihre Verwissenschaftlichung dazu beitragen kann, das menschliche Leben zu erleichtern.«
Eine aktuelle Lesart Brechts zeichnet der Regisseur und Theateraktivist Alexander Karschnia (andcompany&Co.), der zweite Kurator der Brecht-Tage, nach:
»BB als Öko-Sozialist avant la lettre! Ein Ausnahme-Marxist, einer der wenigen Vorläufer, der Half Earth Socialism verstanden hätte und eine Parole wie ›Nichtstun fürs Klima!‹«
Die Brecht-Tage 2026 finden vom 6. bis 13. Februar statt. Gemeinsam mit Expert:innen und Autor:innen geht es um Brechts planetare Poetik und die Verbindungslinien zu gegenwärtigen Debatten um den drohenden Klimakollaps und den Umbau der Industriegesellschaft im Anthropozän.
Partnerinstitutionen:
Netzwerk Naturwissen am Museum für Naturkunde Berlin,
Zeiss-Großplanetarium Berlin,
Rosa-Luxemburg-Stiftung,
Fachgebiet Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin
und andcompany&Co.