#ZweiterWeltkrieg
Transit
/ 1947Der Roman handelt von der transitorischen Situation von Flüchtlingen in Form eines dialogischen Monologs: Ein Ich, dessen wahren Namen man nicht erfährt, erzählt einem ebenso anonymen Du in der Hafenstadt Marseille, einer Zwischenstation auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus 1940/41, von den kafkaesken Mühen, Transitvisa zu beschaffen. Anna Seghers schrieb den Roman selbst in einem Raum des Transits während ihrer Flucht in Marseille, den Pyrenäen und auf einem Schiff nach Martinique. Er wurde 1944 auf Englisch und Spanisch veröffentlicht, 1947 auf Deutsch. Der Roman ist auch in seiner literarischen Form den Flüchtlingen gewidmet, ihrer flüchtigen Zeit – »flüchtig« ist das hervorstechendste Adjektiv des Texts – und ihrer ephemeren Rolle im Räderwerk der herrschenden Verhältnisse, dem dennoch zarte Bande der Solidarität und der Sorge entgegengesetzt werden. Nicht zuletzt verbinden sich in einer Liebesgeschichte mythische Figuren der Wiederkehr und der Identitätsvertauschung mit der radikalen Gegenwärtigkeit unaustauschbarer historischer Umstände. mehr
Warum lesen?
In höchster Intensität rüstet uns »Transit« für die Bedrohungen aktueller Faschismen und bringt die heutige Gefangenschaft nicht nur von Migrant:innen in einer scheinbar unentrinnbaren Gegenwart ästhetisch auf den Punkt. In dieser Verbindung von Wiederkehr und historischer Konkretion liegt seine atemberaubende Gegenwärtigkeit.
[Florian Kappeler]