Professor Mamlock

/ 1933

In seinem 1933 erschienenen Theaterstück »Professor Mamlock« zeigt Friedrich Wolf das Chaos nach dem Reichstagsbrand und wie die Nationalsozialisten durch emotionale Manipulation und Wortverdrehung schnell die Macht ergreifen können. Der angesehene jüdische Chirurg Mamlock, der sich als Kriegsveteran in Sicherheit wähnt, verliert durch die »Gesetze zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« über Nacht seine Klinik. Auch seine Familie ist davon betroffen: Seine Tochter Ruth wird aus der Schule ausgeschlossen und gedemütigt, während sein Sohn Rolf sich den Kommunisten anschließt. Generationenkonflikte und die drängende Frage, wie man sich verhält, wenn die Grenzen zwischen Legalität und Willkür verschwimmen, prägen das Stück.

Mamlocks blindes Vertrauen in Wissenschaft und Nation verdeutlicht die Ohnmacht der Vernunft, denn die Nazis brauchen keine Logik, schließlich lebt ihr System von Hass. Indem Wolf die NS-Propaganda wörtlich wiedergibt, vertraut er darauf, dass ihre Absurdität von selbst sichtbar wird. mehr

Warum lesen?

Weil das Stück präzise die Ereignisse von 1933 und die Reaktionen verschiedener gesellschaftlicher Milieus in kurzer Form einfängt und damit besonders lehrreich ist. Weil es in einer Zeit, in der Fakten ignoriert und Emotionen instrumentalisiert werden, die drängende Frage nach Widerstand und Verantwortung stellt.

[Margot Desplanches]

Auf der Liste: Antifaschistische deutschsprachige Literatur (1918-1945)

Mein Kampf

/ 1987

George Tabori gilt als eine der große Theaterautor*innen der Nachkriegszeit. In seiner Groteske »Mein Kampf« erleben wir Hitler in einem Männerasyl, begleitet von den zwei Juden Schlomo Herzl und dem Koch Lobkowitz, die ihm beibringen, wie man das Publikum begeistert. Ein Lehrstück über die Freiheit der Literatur, mit der Geschichte und ihren Figuren anzustellen, was sie will. Und die darin eine Ruhe entdeckt, die man auch als Stille nach dem Schuss beschreiben kann. Eine literarische Rache, die auch darum so gut funktioniert, weil wir wissen, dass es doch eigentlich ganz anders gewesen ist.

 

Warum lesen

Weil Taboris »Mein Kampf« unterstreicht, dass Rache nicht immer eine gewaltvolle Sache sein muss. Rache kann auch bedeuten, zentrale Akteure der Gewalt ihrer Autonomie zu berauben und als Hanswürste neu zu erzählen. Hannah Arendt lässt grüßen.

[mc]

Auf der Liste: Jüdische Rache

Auf der Suche nach Gerechtigkeit in der Literatur nach 1945