Gedichte einer schönen Frau

/ 1983

Auf 128 Seiten zeigen die Gedichte der Performance-Künstlerin, Aktivistin und Autorin Guy St. Louis einen Einblick in West-Berlins lesbisches Leben der frühen 1980er. Kämpferisch, ungefiltert und kraftvoll schreibt sie über ihr Lesbischsein, ihr Schwarzsein und ihr Begehren aus dieser Position heraus. Selbstbewusst, kinky und taff.

 

Warum lesen?

Ohne den Rassismus und die Homofeindlichkeit der BRD kleinreden zu wollen, finde ich es wichtig zu betonen, dass rassifizierte Queers nicht nur existiert haben, sondern handlungsfähig waren und eine Legacy hinterlassen haben, aus der wir heute sehr viel Kraft und Inspiration schöpfen können – insbesondere, wenn es darum geht, mit einer Selbstverständlichkeit zu einem Begehren zu stehen, welches nicht allen schmeckt.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur

The Freezer Door

/ 2020

Ohne sie zu beschönigen, erkundet Mattilda Bernstein Sycamore in ihrem essayistischen Memoir die Gegenwart queerer Urbanität mit all ihren Ambivalenzen. Im Zentrum steht ihr Begehren nach queerer Verbundenheit und die Einsamkeit auf dieser Suche. Sie schreibt über Gentrifizierung, Cruising, Zugehörigkeit und Begehren, mal in kurzen Anekdoten und Gedankenfragmenten, mal weiter ausgeholt. Das Ergebnis ist eine komplexe Auseinandersetzung mit queerem Leben in der Stadt, die gleichermaßen schön und traurig ist.

 

Warum lesen?

Ihre Beobachtungen, durchzogen von Euphorie, Neugierde und Melancholie, sind absolut relatable und werfen die Frage auf, was die Kommodifizierung von Widerständigkeit mit unserem Sehnsüchten macht. Das Buch ist in seiner Form queer und widmet sich gleichzeitig dringlichen Fragen queerer Radikalität – dafür sind auch ihre anderen Werke bekannt.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur

Sanfte Debakel

/ 2018
Douces déroutes

„Sanfte Debakel“ führt uns auf die Spuren der Schicksale mehrerer Personen im Port-au-Prince der Gegenwart, die alle in einem Unglück vereint sind, das sie unaufhörlich quält: die Ermordung des aufrichtigen und integren Richters Raymond Berthier. Brune, Berthiers Tochter und Sängerin in einer Bar, bewegt sich lange Zeit zwischen Wahnsinn und Resignation. Weder ihre Freundschaften noch Liebesgeschichte mit Francis, einem französischen Journalisten können sie aus dieser Verwirrung befreien. Nur die Aufklärung der Todesumstände ihres Vaters scheint Brune einen Ausweg zu bieten. Auf der Suche nach Gerechtigkeit versucht Brune,  das Verbrechen aufzuklären. Neben Brune versammelt Lahens eine Vielzahl weiterer Figuren wie Brunes Onkel Pierre, den Dichter Ezechiel, die feministische Nerline, einen überzeugten Pazifisten namens Waner, den Amerikaner Ronny. Im Rhythmus eines schnellen, elektrischen und synkopischen Schreibstils, enthüllt sie nach und nach mit erschütternder Zärtlichkeit die Intimität eines jeden Einzelnen. mehr

Warum lesen?

Yanick Lahens schreibt schnell und elektrisch, als würde sie ihre Kraft aus den Eingeweiden der Stadt schöpfen, und begleitet ihre Figuren auf dem Weg zum unvermeidlichen Untergang.

 

 

Auf der Liste:
Politische Literatur aus Haiti

Deutsche und englische Übersetzungen ausgewählter haititanischer Erzähltexte

Jahrestag

/ 2004
Bicentenaire

„Jahrestag“ beschreibt einen Tag aus dem Leben des Studenten Lucien, an dem dieser sich aufmacht, um an den Demonstrationen gegen die Regierung Jean-Bertrand Aristides in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince teilzunehmen. Wie ein klassisches Drama in der Einheit von Ort, Zeit und Handlung aufgebaut, treffen wir auf Luciens Weg durch die Stadt auf eine Vielzahl von Figuren. Von einer jungen, ausländischen Journalistin über einen ignoranten Arzt — Teil der im Stadtviertel Pétionville residierenden Oberschicht — und seiner gelangweilten Frau; einem nostalgischen Ladenbesitzer; bis hin zu Luciens kriminellen Bruder Ezechiel, alias Little Joe. Entlang dieser Figuren und Stationen zeichnet Trouillot das Tableau einer von Ungleichheiten und Widersprüchen geprägten Stadt und erinnert dabei an die gewaltvollen Zusammenstöße zwischen Demonstrant:innen, bewaffneten Banden und Polizei im Jahr 2004. mehr

Warum lesen?

Weil die Stadt und ihre Bewohner:innen hier zum Spiegelbild einer Gesellschaft in Anspannung werden und diese Momentaufnahme eines Tages so viel über die politischen, sozialen Konflikte, aber auch die Träume einer neuen Generation verrät, ohne das Land und seine Bewohner:innen abermals an stereotype Narrative zwischen Resilienz und Barbarei zu verraten.

 

 

Auf der Liste:
Politische Literatur aus Haiti

Deutsche und englische Übersetzungen ausgewählter haititanischer Erzähltexte