Mutterschoß

/ 2021

Elea Brandt widmet sich in „Mutterschoß“ kompromisslos den Themen Schwangerschaft, Geburt, Fremdbestimmung von Schwangeren in der Medizin – und scheut sich nicht, Parallelen zwischen ihrem Dark-Fantasy-/Horror-Setting und aktuellen Kämpfen rund um Reproduktionsrechte zu ziehen. Der Roman ist aus Sicht von zwei Hauptfiguren erzählt, die ein Spannungsfeld eröffnen, das eine lange Geschichte hat und bis in unsere Gegenwart fortbesteht: das zwischen Arzt und Hebamme. Mediziner Shiran und die Hebamme Ajeri sind bei einer Geburt anwesend, die tödlich für Mutter und Kind endet. Der Körper des Kindes weist seltsame, flügelartige Missbildungen auf, zu denen die Hauptfiguren in den Kreisen nachforschen, die ihnen jeweils zugänglich sind. Dabei gelingt es Brandt, beide Figuren in ihren Ambivalenzen nachvollziehbar zu zeichnen.

 

Warum lesen

„Mutterschoß“ ist mit seinen Bodyhorrorelementen ein grausiges und düsteres Buch, aber es ist auch ein wütendes Buch, das gegen die Restriktionen anschrei(b)t, denen Menschen, die schwanger werden können, ausgesetzt sind. Der Anhang ordnet besonders Ajeris Tätigkeit in einen aktuellen Kontext ein und thematisiert die mangelnde Zugänglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen auch in Deutschland.

Auf der Liste:
Progressive Phantastik

Originär deutschsprachige politische Fantasy und Science-Fiction