Totes Zen

/ 2020

„Totes Zen“ ist eine Fantasy-Parodie vom Feinsten, voller absurder Prophezeiungen, zerbröckelnder Klischees und Geschichten in Geschichten in Geschichten, bei denen man nach der Lektüre ganz erstaunt ist, dass das alles in das schmale Büchlein passte. Der Roman führt die Lesenden im Stream-of-Consciousness-Stil auf eine Queste durch Fantasy-Klischees ins Ungewisse mysteriöser unterirdischer Stollen. Der genderfluide Barbar Krass ist mit seinem Schwert „Brudi“ auf der Suche nach einem Juwel und muss sich gegen allerlei Fantasy-Gegenspieler*innen behaupten, während langsam klar wird, dass die wahren Monster die sind, die Krass selbst mitbringt. Sein Vater ist ein Gott, der alles vorhergesehen hat, bis die Erfüllung von Krass‘ Schicksal schließlich in der Hand der Lesenden liegt, die mit dem Lesen des Romans letztlich selbst zu „Auserwählten“ werden, die eine uralte Prophezeiung zu erfüllen haben. mehr

Dennoch ist der genderfluide Barbar Krass mit dem Schwert „Brudi“ ein überraschend berührender Charakter. Nicolaisen gelingt es, einen schmerzlichen Kontrast zwischen der grausigen Familienhintergrundgeschichte und Krass’ wohltuender polyamorer Liebesbeziehung/Freundschaft an der Abenteurerakademie entstehen zu lassen.

 

Warum lesen

Ein Spiel mit Rollenspiel-Tropes, liebgewonnenen und verhassten Fantasy-Klischees, mit Prophezeiungen, die sich sogar über das Buch hinaus auf den*die Leser*in erstrecken. Als Spiegelung der zugleich verschämten und offensiven Sexiness von Fantasy-Romanen finden wir darin außerdem einen hemmungslosen Meerschweinchen-Porno, der jedoch im Kern von einem unglücklichen Volk monogamer Nager erzählt.

Auf der Liste:
Progressive Phantastik

Originär deutschsprachige politische Fantasy und Science-Fiction