Zehn Millionen Kinder. Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich

/ 1938

Unter dem Titel »School for Barbarians« war dieses Buch 1938 drei Monate nach Erscheinen in den USA ein Bestseller (40.000 Exemplare). Ausgangspunkt und Anlass für die gründlichen Recherchen war Erika Manns Vortragstätigkeit in Volkshochschulen, Women's Clubs, Kirchen und Wohlfahrtsorganisationen seit 1937. Für ihre Mission, die amerikanische Öffentlichkeit von der Gefährlichkeit des Faschismus zu überzeugen, arbeitet Mann mit Zitaten aus Hitlers »Mein Kampf«, aus Erlassen für Schule und Unterricht, aus Lehrerbegleitheften für den »Rasse- und Wehrkundeunterricht«, aus der »Fibel« und aus dem »Stürmer«. Diese Dokumentation bindet sie in fiktionale, aber durch Erzählungen von Menschen aus Deutschland geformte Kinderleben und Kinderperspektiven ein. Das aufrüttelnde und zugleich aufklärerische Potential der Darstellung von Familie, Schule und Jugend im »Dritten Reich« ist bis heute ungebrochen. mehr

Warum lesen?

Meine erschreckendste Einsicht aus diesem Buch lautet: »Das alles also lag 1937 vollkommen offen zu Tage und konnte jede*r jederzeit zur Kenntnis nehmen!?« Der Text zeigt in seiner Kombination aus Fakten und Fiktion (faction) bis heute zugleich systematisch, detailliert und unendlich emphatisch, wie faschistische Herrschaftsstrukturen funktionieren und wie sie das Individuum infiltrieren und angreifen, um es zu zerstören.

[Wiebke von Bernstorff]

Auf der Liste: Antifaschistische deutschsprachige Literatur (1918-1945)