#JugendImNS
Unsere Töchter, die Nazinen
/ 1935Hermynia Zur Mühlen, die im April 1933 aus Deutschland mit ihrem jüdischen Partner nach Wien geflohen war, setzte sich mit ihren Werken für Kinder und Erwachsene für eine gerechtere Welt ein. In »Unsere Töchter, die Nazinen« lässt die Autorin drei ältere Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zu Wort kommen, eine Arbeiterin und Anhängerin der sozialistischen Partei, eine Gräfin, die ebenfalls den Sozialist*innen nahesteht und eine mit einem nationalsozialistisch eingestellten Arzt verheiratete Frau. Alle drei haben Töchter, die sich, zumindest zeitweise, den Nazis anschließen. Jede der drei Frauen erlebt die politische Situation in Deutschland unterschiedlich: die Bücherverbrennungen, der Antisemitismus, die Gewalt und die »Arisierungen« werden so in den drei Figurenperspektiven reflektiert. Angetrieben wird das Erzählen von der Frage, warum sich die Töchter dem Nationalsozialismus zuwenden. Hermynia zur Mühlen beweist in diesem Roman ihre politische Weitsicht, zeigt aber auch, anhand der Ehefrau des Arztes, wie Kränkungen, Neid und zwischenmenschliche Probleme dazu führen können, sich einer menschenverachtenden Politik zuzuwenden. mehr
Warum lesen?
Obwohl das Buch als spannende Fiktion zu lesen ist, gibt die Autorin einen tiefen und zeitgenössischen Einblick in die Entstehung und frühe Zeit des Nationalsozialismus und zeigt, wie eine Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie – oft unreflektiert – entstehen kann.
[Susanne Blumesberger]