#Humor
Caféhaus Payer
/ 1941»Caféhaus Payer« (1941) ist die erste umfangreichere literarische Arbeit der Schriftstellerin, Theaterschaffenden und Journalistin Hedda Zinner. Zinner, die später zu den meistgelesenen Autorinnen der DDR gehören wird, verfasste den Text im sowjetischen Exil, in das sie durch die nationalsozialistische Machtergreifung 1933 gezwungen war. Das Stück spielt im März 1938 in Wien, also kurz nach dem sogenannten »Anschluss« Österreichs an Deutschland. Zinner greift somit einen sehr spezifischen kulturellen, aber auch politischen Kontext auf, denn dem NS war in Österreich mit dem Austro-Faschismus bereits ein anderes autoritäres Regime vorangegangen.
»Caféhaus Payer« erzählt von den verschiedenen Wegen, auf denen die Mitglieder der Familie Payer mit den neuen Machthabern in Konflikt geraten: Der antifaschistische Sohn Georg wird bei einer Hausdurchsuchung der SS angeschossen, die Tochter Gretl will den SS-Mann Marek heiraten, der es jedoch einzig auf das gut gehende Kaffeehaus der Großmutter Payer abgesehen hat. Dem Vater Wilhelm, der schon in der Habsburger Monarchie staatstreuer Beamter war, wird schließlich seine Prinzipientreue unter nationalsozialistischer Führung zum Verhängnis. Ausgehend von diesen Verwicklungen macht das Stück die Notwendigkeit antifaschistischen Widerstands – auch im bürgerlichen Milieu – deutlich. Diese Botschaft wird jedoch nicht im Ton der Didaktik, sondern im humorvollen Stil des (kritischen) Volksstücks vorgebracht. So sprechen fast alle Figuren (teils starken) Dialekt, was insbesondere beim Aufeinandertreffen der vorlauten Haushälterin Lintschi mit dem zackigen Berliner SS-Mann Flentjen zu witzigen Missverständnissen führt. mehr
Warum lesen?
Zinner gelingt es in »Caféhaus Payer«, das drängendste Thema ihrer Zeit auf überaus unterhaltsame Weise zu bearbeiten. So deutlich die politische Ausrichtung des Stückes auch ist, so wenig simplifizierend ist es dabei: Störungsmomente treten beispielsweise durch die (sprachliche und milieuspezifische) Lokalisierung des Stücks auf. Diese ästhetische und humoristische Ausgestaltung wirft explizit die Frage nach den Spezifika bzw. dem Universalismus antifaschistischer Politik(en) auf. Darüber hinaus spielen auch Geschlechterfragen eine zentrale Rolle, denn die Möglichkeiten und Grenzen antifaschistischen Handelns unter patriarchalen Verhältnissen werden in dem Theaterstück ebenfalls diskutiert.
[Stephanie Marx]