A Restricted Country

/ 1988

In dieser Sammlung aus Essays und Kurzgeschichten widmet sich die US-amerikanische Autorin Themen wie der Solidarität zwischen Schwarzen und jüdischen Aktivist*innen in den USA, Butch-Femme-Dynamiken, den Feminist Sex Wars oder dem Verhältnis zwischen Lesben und Sexarbeiter*innen. Queeres Begehren als Drive für politische Kämpfe, aber auch die Macht der Erinnerung spielen eine zentrale Rolle. Wenn Joan Nestle als Mitbegründerin des Lesbian Herstory Archives NYC die Relevanz von Archiven in feministischen und queeren Aktivismen betont, weiß sie, wovon sie spricht. Besonders queere Geschichtsschreibung ist wichtig zu dokumentieren und zu erhalten, weil viel Wissen durch systematisches Auslöschen verloren geht. Ihre Texte sind nicht leicht zu beschaffen, aber umso wichtiger, besonders, wenn es um lesbisch-feministisches Leben in der McCarthy-Ära geht.

 

Warum lesen?

Joan Nestle ist eine der wichtigsten lesbischen Autor*innen und hat mich sehr stark beeinflusst. Leider sind ihre Texte nur in kleinen feministischen Verlagen erschienen, weswegen sie heute als gedrucktes Buch rare Ware sind. Während der Feminist Sex Wars versuchten Anti-Porno-Aktivistinnen, ihre Arbeit zu zensieren und sie beispielsweise von Publikationen oder Konferenzen auszuschließen – auch diese Konflikte lassen sich bei ihr nachlesen.

Auf der Liste:
Unverschämtes Verlangen

Queeres Begehren in der Literatur

Kein Platz mehr

/ 2018

Margit Schreiner schreibt Romane, die eigentlich Essays sind. Persönliche, scheinbar banale Begebenheiten werden raffiniert zu weltanschaulichen, äußerst klugen Feststellungen verquickt. Es geht um ihre Dachkammer, in der sie herumrobben muss; um die Zeit in Japan, wo riesige Möbel in winzigen Häusern stehen; um Freunde, die verzweifelt versuchen, ihre Häuser zu leeren. Heraus kommt ein nüchtern komischer Text, in dem die ganze Welt ihr Fett abbekommt, weil nirgendwo genug Platz ist – nicht einmal auf dem Friedhof. So viel Witz, Klugheit, feine Ironie und Beobachtungsgabe gibt es selten in einem Buch (so wie in allen ihren Büchern).

Auf der Liste:
Das Politische im Privaten – österreichische Autorinnen