Bronsteins Kinder

/ 1986

Haben Opfer auch nach 30 Jahren noch ein Recht, Rache an ihren Peinigern zu nehmen? Und sind die Kinder der Opfer ohne es zu wollen vielleicht selbst Opfer? Hat die DDR ihr Versprechen eines ‚besseren Deutschlands‘ eingelöst? Warum laufen dann immer noch ehemalige Täter frei herum? Was heißt es, Mitte der 1970er in Ostdeutschland als Jude erwachsen zu werden? Diese und andere Fragen stehen im Zentrum von Jurek Beckers drittem Roman zum Thema Judentum und Shoah. Hans, der jugendliche Erzähler, ist eigentlich mit Abiturprüfungen, Zukunftsplänen und seiner Liebe zu Martha ganz gut beschäftigt. Doch als er entdeckt, dass sein eigener Vater und zwei andere Überlebende einen ehemaligen SS-Mann entführt haben, ihn gefangen halten und foltern, gerät alles aus den Fugen. Am Ende wird der Tod des Vaters für Hans zum Anlass, diese generationenübergreifende Rachegeschichte auf zwei Zeitebenen und mit zahlreichen Selbstreflexionen zu erzählen. Und wer genau hinliest, stößt auf ein Kapitel, dass beinahe eins zu eins aus dem Drehbuch von Masel Tov Cocktail stammen könnte.

 

Warum lesen

Weil es immer noch zu wenige Texte gibt, die sich mit dem Jüdischsein in der DDR befassen und weil es Jurek Becker gelingt, allen einfachen Antworten aus dem Weg zu gehen.

Bester Satz: „Ein bißchen mehr Zorn auf Lumpen und Mörder könntest du ruhig haben.“

[ssch]

Auf der Liste:
Jüdische Rache

Auf der Suche nach Gerechtigkeit in der Literatur nach 1945

Tenth of December

/ 2013

Die besten (mit Abstand) Short Stories, die ich in den letzten siebeneinhalb Jahren gelesen habe. Dazu muss ich aber auch sagen, ich habe überhaupt nur drei oder höchstens vier (habe es ehrlich vergessen) Sammlungen gelesen. Diese hier spielen an den Rändern der amerikanischen Gesellschaft, wo sich Traumatisierte, finanziell Ruinierte, Kriminelle und überhaupt Außenseiter tümmeln. Und sie erzählen von deren finsteren Machenschaften und abscheulichen Taten, vom Wert des Lebens und Denkens (klein), von Traumata und wie man sie vielleicht überwindet (indem man das Haus der eigenen Mutter abfackelt?).

 

Warum lesen

Lesen, weil stilistische Könnerschaft, interessante Themen, präzise Figurenzeichnungen, super Dialoge.

Auf der Liste:
Fünf Bücher aus den letzten siebeneinhalb Jahren