
Johannes R. Becher / Heinrich Vogeler, »Das Dritte Reich« (1934)
Johannes R. Becher (1891–1958) ist vielen nur noch als Kulturminister der DDR und Verfasser der DDR-Nationalhymne bekannt. Seine dichterischen Anfänge aber liegen im Expressionismus. In den 1920er Jahren fand er zum Kommunismus und war wegen seiner politischen Arbeit 1933 sofort zum Gang ins Exil gezwungen. Schon früh nutzte Becher die Dichtung, um vor dem Erstarken des Nationalsozialismus zu warnen. In diesem Kontext steht auch die Zusammenarbeit mit dem Bildkünstler Heinrich Vogeler in »Das Dritte Reich« (1934). Es handelt sich um eine kleine Broschüre von 34 Grafiken, die jeweils von einem Zweizeiler Bechers begleitet werden und Alltagsszenen aus NS-Deutschland gestalten.

Wenn Eli das Kind ins Bett gebracht hat und die Enge der eigenen vier Wände spürt, flieht sie in die Kneipe nebenan. Dort steht Gunda seit fast zwanzig Jahren hinter dem Tresen. Als eine sommerliche Hitzewelle über die Stadt hereinbricht, ziehen sie in den kühlen Kneipenraum, spannen feuchte Laken über die städtische Betonwüste und hacken den asphaltierten Gehweg auf. Dabei erzählen sie: von Gundas Leben in der DDR zwischen Gehorsam und kritischem Denken und von Elis quälenden Blick auf das ständig leere Konto und der Schwierigkeit, als Mutter dem eigenen Kind gerecht zu werden, ohne sich selbst darüber zu verlieren.