
Wort für Wort: Antifaschistische Kurzlektüre von LTI
Sprache prägt unsere Wahrnehmung und politische Wirklichkeit. Dem gehen wir nach und lesen gemeinsam einen Ausschnitt aus »LTI – Notizbuch eines Philologen« von Victor Klemperer (1947), in dem er die Funktionsweise der Sprache im Nationalsozialismus analysiert. Klemperer zeigt mit Beispielen aus Zeitung, Werbung, amtlichen Schreiben und Gesprächen mit Nachbarn, wie tief sich ideologische Muster in alltägliche Wiederholungen einschreiben. Anschließend diskutieren wir gemeinsam, inwiefern sich Klemperers Beobachtungen und autoritäre Kontinuitäten heute wieder zeigen, bevor wir in eine »Silent Conversation« als kollaborativen Austausch übergehen. Vorkenntnisse oder vorbereitende Lektüre sind nicht erforderlich.

Meisterwerke der NS-Satire und was sie uns lehren
Wo die politische Wirklichkeit sich in groteske Grausamkeit verwandelt und rechte Akteure von Schicksal und Tiefe raunen, wird das Lachen zum widerständigen Akt. Die literarische Satire blüht immer dann, wenn die Zeiten düster sind. Deshalb mag es nicht verwundern, dass während des Nationalsozialismus viele Literaten zu satirischen Mitteln griffen, um die Lage zu analysieren. Manche dieser Texte sind kaum mehr bekannt, etwa Otto M. Knabs »Kleinstadt unterm Hakenkreuz« (1934) oder selbst Walter Mehrings »Die Nacht des Tyrannen« (1937). Andere Satiren aber erfreuen nach wie vor das Publikum, sind von hoher literarischer Qualität und auch in Neuauflagen auf dem Buchmarkt erhältlich. Im Gespräch geht es um Klaus Manns »Mephisto. Roman einer Karriere« (1936), Bertolt Brechts Stück »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« (1941) und um »Dritte Walpurgisnacht« (1933) des Satirikers Karl Kraus. Der Blick soll dabei nicht nur zurück, sondern auch in die Gegenwart führen. Was können literarische Satiren angesichts des omnipräsenten Rechtsrucks leisten? Ist unser Lachen eher fatalistisch oder revolutionär?