
Hedda Zinner »Caféhaus Payer« (1941)
Die Schriftstellerin, Theaterschaffende und Journalistin Hedda Zinner gehörte zu den meistgelesenen Autorinnen der DDR. Stücke wie die »Ravensbrücker Ballade« (1961) oder Romane wie »Katja« (1980) werden von einer antifaschistischen Grundhaltung getragen, gleichzeitig hat Zinner den staatlich verordneten Antifaschismus in der DDR wiederholt kritisch befragt. Dieser unkonventionelle Zug zeichnet bereits Zinners erstes Stück »Caféhaus Payer« (1941) aus: Es spielt im März 1938 in Wien und erzählt, wie sich die alteingesessene Familie Payer kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme (nur leidlich) durchschlägt. Dem Ernst der Lage begegnet Zinner dabei im gewitzten Tonfall des Volksstücks und lässt Wiener Mundart auf Berliner Jargon treffen. Die explizite Verortung der Handlung in Österreich lässt indes Fragen nach lokalen Spezifika bzw. dem Universalen des Antifaschismus virulent werden. Zudem beleuchtet das Stück die vergeschlechtlichte Dimension antifaschistischer Praxis.

Jede Berliner Epoche hat ihre speziellen Chronist:innen. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Spezies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Heinz Knobloch. Seine Feuilletons, die er über Jahrzehnte in der »Wochenpost« schrieb, kreisen oft um Berlin. Er hat über Geisterbahnhöfe, Friedhöfe, Grünanlagen, Wege und Umwege sowie Berliner Persönlichkeiten wie Moses Mendelssohn oder die Suppenlina geschrieben und die seltsamsten Geschichten ans Tageslicht gebracht. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre geworden. Annett Gröschner spricht mit Helmut Mehnert vom »Freundeskreis Heinz Knobloch«, der Leben und Werk des Autors lebendig halten möchte.