
Anna Seghers, »Post ins gelobte Land« (Erzählung, 1946)
Anna Seghers, als antifaschistische Autorin bekannt für ihre Romane »Das siebte Kreuz« (1942) und »Transit« (1944), hat sich bereits vor dem Nationalsozialismus und besonders auch danach auf diesem Feld hervorgetan. Noch heute von Interesse ist etwa »Post ins Gelobte Land«, publiziert zusammen mit »Der Ausflug der toten Mädchen« im Jahre 1946. Diese Geschichte über eine jüdische Familie zwischen Pogrom und Solidarität auf ihrer Migrationsroute von Polen, Wien, Paris, Palästina bis (fast) nach Algerien spannt einen weiten historischen Bogen und stellt Fragen nach der Funktion des Erinnerns und dem Festhalten an einer Idee menschlicher Emanzipation. Anhand früherer und späterer Werke von Seghers werden wir fragen, was antifaschistische Poetik bedeuten kann und was eine solche uns heute zu sagen hat.

Zwei Romane, zwei historische Szenen und ein gemeinsamer Blick auf Kunst im Ausnahmezustand. Miku Sophie Kühmel holt mit »Hannah« die Liebes- und Arbeitsgemeinschaft von Hannah Höch und Til Brugman aus dem Schatten des Dada und öffnet den Kanon für queere Perspektiven. Marianne Ludes macht in »Trio mit Tiger« Quappi Beckmann zur unverzichtbaren Zeugin des Exils. Beide korrigieren Blindstellen mit Archivmaterial und literarischem Zugriff. Ein unmoderiertes Gespräch über Nähe, Macht, Inspiration und die Frage, was Kunst tut, wenn die Welt kippt.