
Das Grauen als Groteske.
Heinrich Manns Roman »Lidice« (1943)
Heinrich Mann, Verfasser der berühmten Romane »Professor Unrat« und »Der Untertan«, lebte seit 1940 in den USA. Dort mussten er und die Weltöffentlichkeit von dem Massaker in dem tschechoslowakischen Dorf Lidice erfahren, das die NS-Besatzungsmacht 1942 verübte. Mann reagierte in kürzester Zeit mit seinem Roman »Lidice«, der bereits 1943 im mexikanischen Exilverlag »El libro libre« erschien – und sofort auf Skepsis und Ablehnung stieß: Mann experimentierte nämlich für seinen Roman mit den Mitteln der sprachlichen und erzählstrukturellen Groteske: »Lidice […] hat die einzig richtige Art, wie Greuel behandelt sein wollen: grotesk« – so Mann in einem Brief.
Dr. Carsten Jakobi arbeitet als Akademischer Direktor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Mainz. Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Deutschsprachige Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, Formen und Theorien literarischer Komik. Mitherausgeber der kritischen und kommentierten Anna-Seghers-Werkausgabe (Aufbau Verlag) und der literaturwissenschaftlichen Zeitschrift »literatur für leser:innen«.

Matthias Nawrat
»Das glückliche Schicksal«
Im Jahr 1983 reist die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder ist es ein Verhör? Zwischen ihnen, so scheint es, steht ein Verdacht, und doch ist da eine Verbindung, die über das, was sie heute sind, hinausweist. Ein Spiel zwischen ebenbürtigen Gegnern beginnt. Es führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu Fragen, vor die das Menschsein uns stellt. Ein bestrickend lebendiger Roman über das Leben und Überleben östlich und westlich des Eisernen Vorhangs.