
Magdalena Schrefel liest aus ihrem soeben erschienenen Roman »Das Blaue vom Himmel«, dessen Figuren nach der Beschreibung des Himmelsblaus suchen, kurz bevor die Stratosphäre durch eine Geoingeneering-Maßnahme verdunkelt werden soll. Mit Hanna Hamel spricht die Autorin über die erzählerische Erkundung und Gestaltung neuer technischer Möglichkeiten und über deren Wechselwirkungen mit dem individuellen Erinnern, Wahrnehmen und Erleben.

»Die Heilige Johanna und der ökologische Eigensinn in den Schlachtfabriken«
Anschließend Gespräch mit Hans-Christian von Herrmann und Alexander Karschnia
Die Schlachthöfe von Chicago sind dank Brechts »Heiliger Johanna« heute noch vielen ein Begriff. Die Bedeutung dieser Fleischfabriken ist jedoch kaum zu überschätzen: Sie waren nicht nur Ort heftiger Arbeitskämpfe, sondern aus eben diesem Grund auch ein Hort revolutionärer technischer Innovationen: Hier wurde sowohl das Fließband als auch die Kühltechnik entwickelt. Die Fleischindustrie ist ein paradigmatischer Ort für das, was Simon Schaupp als »Stoffwechselpolitik« bezeichnet: Die Arbeitswelt als politische Arena, in der gesellschaftliche Naturverhältnisse ausgehandelt werden. Nicht nur die Widerspenstigkeit der Arbeit, sondern auch die Widerspenstigkeit der Natur, etwa in Form verrottender Tierkörper haben die Geschichte der Arbeit wesentlich geprägt. Mit dieser Perspektive eröffnet Schaupp ein Verständnis von Arbeit als zentralem Ort der Verursachung und auch der Bearbeitung der sich zuspitzenden ökologischen Krise.