
Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Anmeldung erforderlich: netzwerknaturwissen@mfn.berlin
Wer Brechts »Erziehung der Hirse« nur für ein harmloses Naturstück hält, irrt gewaltig. Hinter dem scheinbar schlichten Bild vom Wachsen und Werden entfaltet sich ein Gedicht von überraschender Komplexität – ein Text, der ebenso viel über die Welt erzählt wie über den Menschen, der in ihr handelt.
In dem Workshop lädt das Netzwerk Naturwissen Schüler:innen dazu ein, diesem vielschichtigen Werk mit neugierigen Augen zu begegnen. Wir wechseln bewusst die Perspektive: Wie liest ein Historiker das Gedicht, der Brechts Text in den Windschatten politischer Umbrüche stellt? Welche Fäden entdeckt eine Literaturwissenschaftlerin, wenn sie der Sprache, den Bildern und dem Bau des Gedichts folgt? Und was sieht ein Biologe, dem das stille Wissen über Böden, Witterung und Wachstum sofort ins Auge springt? Aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln entsteht ein überraschend reiches Panorama. Der Text beginnt zu leuchten, weil er nicht länger eindimensional gelesen wird, sondern als das, was er ist: eine kleine Parabel über Einsicht, Geduld und den klugen Umgang mit der Wirklichkeit.
Am Ende führen wir alle Perspektiven zusammen, wie Erntekörner, die erst im Zusammenspiel einen vollen Sack ergeben. So entsteht ein Bild, das mehr ist als die Summe seiner Teile, und Brechts Gedicht zeigt sich in seiner ganzen feinen, manchmal widerspenstigen Schönheit. Ziel des Workshops ist es also, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie ökonomische, ökologische und politische Machtverhältnisse Landwirtschaft und Ernährung beeinflussen. Dadurch sollen Verbindungen zwischen dem historischen Kontext, der aktuellen Ernährungspolitik und potentiellen individuellen Handlungsmöglichkeiten hergestellt werden.
Ein Workshop für alle, die Lust haben, sich von Literatur irritieren, inspirieren und ein wenig erziehen zu lassen. (Ab Klasse 11)

Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Anmeldung erforderlich: netzwerknaturwissen@mfn.berlin
Die Führung zum Thema Queering Nature rückt die queergeschichtliche Sicht auf Natur und Wissenschaft in den Vordergrund und geht anhand der Ausstellung unter anderem den Fragen nach: Wie wird Natur sexualisiert? Wie finden Forschende das Geschlecht bei einem Saurier heraus? Was hat Kolonialismus mit Botanik und Geschlecht bei Pflanzen zu tun? Welches und wessen Wissen wird im Museum für Naturkunde (re-)präsentiert? Und was bleibt verborgen?

A Plan to Save the Future from Collaps: Half Earth Socialism
Moderation Alexander Karschnia
Ein wichtiges Vermächtnis des Naturforschers E.O. Wilson ist die Schrift »Die Hälfte der Erde«. Darin fordert er uns auf, die halbe Erdkugel der Natur zu überlassen. Troy Vettese und Drew Pendergrass greifen mit »HALF EARTH SOCIALISM« diese Forderung auf. Für sie gibt es als Alternative zur Rückverwilderung nur gigantische Geoengineering-Programme. Um die Gefahr solcher Naturbeherrschung zu verdeutlichen, lesen sie die Klassiker der neoliberalen Literatur gegen den Strich. Hayeks These der »Agnotologie«, der Nichterkennbarkeit, wird vom Kopf auf die Füße gestellt: Nicht Märkte, sondern Ökosysteme sind zu komplex, um sie zu regulieren. Kann dieser Gedanke die Basis sein für ökologische Politik in Zeiten des drohenden Kollapses?

Vom Nutzen und Nachteil vom Verändern von Modellen
Moderation Maike Weißpflug
Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Veranstaltung auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche
Brechts Vorliebe für »Modelle« ist vielleicht wenig bekannt, prägt aber seinen Beitrag zu einem »Theater des wissenschaftlichen Zeitalters«. Walter Benjamin schrieb dazu: »Es kann so kommen, aber es kann auch ganz anders kommen; das ist die Grundhaltung dessen, der für das epische Theater schreibt.« In den Geowissenschaften und speziell in der Klimaforschung sind Modelle ein fester Bestandteil eines »Theaters der Wissenschaft« wie das Denken in Szenarien, einer Lehre aus der Renaissance, der Zeit, als Galileo sein Wissen über die Sonne verheimlichen musste. Brechts Modell-Begriff weiterzudenken könnte da ansetzen, wo er selbst mit der Formulierung seiner Modelle auch deren Veränderung empfohlen hat.

From Cultures of Fear to Ecologies of Hope
Im Anschluss Diskussion mit Carla Reemtsma. Moderation Alexander Karschnia
Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Veranstaltung und Diskussion auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche
Zwei Springquellen allen Reichtums hatte Marx entdeckt: Die Erde (Natur) und den Arbeiter (Arbeitskraft). In der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung war letztere lange im Fokus. Seit einigen Jahren verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf erstere, bzw. das Verhältnis der beiden. Jason Moore gehört mit seinem »Weltökologie«-Ansatz zu den wichtigsten Vertretern jener neuen Generation von Öko-Marxist:innen. Statt vom Anthropozän spricht er lieber vom »Kapitalozän«. Wir können den »Stoffwechsel mit der Natur« nur neu organisieren, wenn wir Gesellschaft und Natur nicht länger als zwei voneinander getrennte Boxen betrachten, sondern als wechselseitig in einem »Lebensnetz« miteinander verbunden. Aber wie kommen wir vom Rollback und der unvermeidlichen Klimakatastrophe zum Sozialismus im »Lebensnetz«, von Kulturen der Furcht zu Ökologien der Hoffnung?
Anschließend Empfang im Sauriersaal.