
Schauerliteratur in schaurigen Zeiten.
Anlässlich des 250. Geburtstags von E.T.A. Hoffmann
Moderation Fabian Bernhardt
Künstliche Menschen, Serienmörder und Kannibalinnen: Bei E. T. A. Hoffmann ist niemandem zu trauen, am wenigsten uns selbst. Volker Pietsch geht der Frage nach, welches politische und kritische Potenzial Hoffmanns Texte nach 250 Jahren weiterhin haben – ob zu Fragen der Manipulation, der Genderpolitik oder der Ökonomie. Im Anschluss geht es im Gespräch mit den Schriftstellerinnen Laura Lichtblau und Esther Becker um das Schaurige in der Gegenwartsliteratur. Laura Lichtblaus Roman »Sund« erkundet das Unheimliche im toten Winkel familiärer Erinnerung und in der kollektiven Verdrängung von historischen Traumata. Esther Beckers Roman »Wie die Gorillas« und ihr Erzählband »Notfallkontakte« arbeiten mit Horror-Motiven; sie interessiert sich besonders für das feministische Potenzial zeitgenössischer lateinamerikanischer Gothic-Literatur sowie für gesellschaftskritischen Horror im Arthouse-Kino. Was genau leistet die Ästhetik des Schauers und des Horrors in der Gegenwartsliteratur? Gibt es Traditionslinien zu E. T. A. Hoffmann? Und warum ist Schauerliteratur mehr als Eskapismus?