Lade Veranstaltungen

Veranstaltungen Such- und Ansichtennavigation

Veranstaltung Ansichtennavigation

© Irina Rastorgueva

Do 14.02.
20:00
Vorträge mit Videoeinspielung
Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus

Heute steht Brecht auf dem Spielplan vieler russischer Theater. Was diese Inszenierungen ausmacht, hängt mit der Frage zusammen, wie politisch das gegenwärtige Theater in Russland ist. Denn die Abkehr vom klassischen, psychologischen, dramatischen Theater wird in Russland immer noch als Abkehr vom eigentlichen theatralischen Wesen betrachtet. Ein un- oder postdramatisches Theater ist immer noch eine marginale Erscheinung. Da einige signifikante Texte von Brecht noch nicht ins Russische übersetzt worden sind, beschränkt sich die Rezeption der Brecht-Texte auf das gängige Repertoire, das in die gewohnten traditionellen Theaterformen passt. Der Schlüssel zum Verständnis der Wahrnehmung von Brechts Texten scheint in der Verdrängung des Politischen im russischen Theater zu liegen: Es wird bewusst oder unbewusst aus dem brechtschen Stoff ausgeklammert. Es bleibt oft genug nur eine exotische kabarettistische Retro-Hülle übrig, oder die Inszenierung verwandelt sich in eine formalistische Attraktion mit Elementen der revolutionären Avantgarde. Es wäre interessant, den Spuren dieser Verweigerung und Verzerrung des Politischen nachzugehen, die sich auf den Umgang auch mit Brecht auswirken. Es ist möglich, dass auf Russisch bislang unbekannte, fragmentarische oder nichtdramatische Texte von Brecht den Anstoß zum diskursiven Denken im Theater geben könnten. Brecht – als unser Zeitgenosse – stellt die Forderung nach der Repolitisierung des Theaters und provoziert politisches Denken. Diesen Fragen und Themensträngen stellt sich der Vortrag „Der Große Oktober, der große Brecht – eine Analyse in Spurenelementen“ von Vettka Kirillova.

 

Brecht-Freund und Stalin-Opfer Sergej Tretjakow übersetzte Anfang der 1930er Jahre drei Stücke Bertolt Brechts ins Russische. Mit diesen „Epischen Dramen“ wurde 1934 in Moskau „Высшая мера/Die Maßnahme“ herausgegeben. Sergej Tretjakow, den Brecht seinen Lehrer nannte, übersetzte den deutschen Titel mit „Ein Höheres Maß“ beziehungsweise „Höchstmaß“ und fiel diesem 1939 selbst zum Opfer. Das Stück wurde nicht wieder aufgelegt, eine der vielleicht interessantesten Übersetzungen Brechts ging verloren. Nachdem sie 2016 in Brechts persönlicher Bibliothek wieder gefunden wurde, fand die Uraufführung im November 2018 in Moskau als Kammerversion mit circa 150 Sängerinnen und Sängern statt. Regisseurin Fabiane Kemmann berichtet von Voraussetzungen einer Inszenierung der „Maßnahme“ in Russland, von der weltweiten Uraufführung am Meyerhold-Zentrum und von Perspektiven einer Realisierung der originalen Partitur für 300 SängerInnen in Moskau. 

 

Den Vortrag begleitet ein Kurzfilm von Giampiero Assumma auf Basis der Premiere von „Высшая мера“.

In Kooperation mit dem Goethe Institiut
Medienpartner: Kulturradio vom rbb


Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten.