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Underwriting memory: Affizierung, rassistische Gewalt und enteignete Erinnerung
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Fr 10.02.Fr 17.02.
Seminar
Underwriting memory: Affizierung, rassistische Gewalt und enteignete Erinnerung
Seminarleitung Çiğdem Inan
Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus

Nach Bekanntwerden der NSU-Morde haben antirassistische und migrantische Initiativen verstärkt auf die Verleugnung struktureller rassistischer Gewalt hingewiesen und die Aberkennung von Trauer und Verlust verurteilt, die die Betroffenen erfahren. Diese Initiativen haben politische Archive affektiven Gedenkens und alternativer Aufklärung gegründet, die sich gegen strukturelle Opfer-Täter-Umkehrungen und die Entwirklichungen von Trauer und Verlust wenden. Diese Archive werfen die Frage auf, wie der Nexus von Affekt-Wissen-Archiv angesichts der Kontinuität struktureller Rassismen erinnerungspolitisch neu ausgehandelt werden kann. Mit der Hilfe von Autor*innen wie Saidiya Hartman, Christina Sharpe, Judith Butler oder Stefano Harney & Fred Moten geht das Seminar den »archives of feelings« (Cvetkovich) nach, in denen die Traumaerfahrungen rassifizierter und minorisierter Menschen gespeichert und die Begriffe des Politischen neu ausgehandelt werden.

 

Es soll diskutiert werden, wie der Wissens- und Sinnabbruch, der durch rassistische Gewaltgeschichte hervorgerufen wird, gleichzeitig den prekären Ausgangspunkt einer Reparation darstellt, die am Ort der Verletzung selbst operiert. Das Seminar soll herausarbeiten, wie solch ein der rassistischen Gewalterfahrung abgerungenes Affekt-Wissen eine paradoxe Grenzfigur bildet, in der der Zusammenhang von Gewalt, Entrechtung, Trauer und Verleugnung zugleich (intellektuell) begriffen und (affektiv) empfunden wird. Entlang rassismuskritischer Affekttheorien, queer-feministischer Ansätze sowie De/Postcolonial und Black Studies verhandelt das Seminar den affektiven Modus, mit dem in den Zonen rassistischer Gewalt und gesellschaftlicher Verwundung flüchtige Formen von Gedächtnis, Sozialität und Wissen produziert werden, die andere Weisen zu fühlen und zu erinnern einführen. Affekttheoretische Auseinandersetzungen um Trauer und Trauma sollen mit erinnerungspolitischen Reflexionen verknüpft und in eine reparative Perspektive überführt werden, die das Zusammenspiel zwischen der Enteignung von Erinnerung und Trauer auf der einen Seite sowie der Prekarität eines affektiven Wissens auf der anderen Seite herausstellt.

 

Wie können Formen von »Nicht-Archiven«, die flüchtig, eigensinnig oder traurig sind, in die Vergangenheit eingreifen und gleichzeitig auf die Zukunft ausgerichtet sein und ein »otherwise of sense«, ein »otherwise of memory« artikulieren? Wie kann eine Politik der Erinnerung im Kontext rassistischer Gewalt das Trauma auf sich nehmen und »weniger« als Erinnerung werden?

 

  • Termine: 10.02. und 17.02.2023 jeweils 10:00–15:00 Uhr.
  • Anmeldung: per Mail an campus@lfbrecht.de. Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt.
  • Das Seminar findet als Präsenzveranstaltung statt. Für die Teilnahme an jeder Sitzung gelten unsere Besucher*inneninformationen.
  • Die Texte werden über einen Reader zur Verfügung gestellt.
  • Es handelt sich um ein Seminar mit aufeinander aufbauenden Sitzungen. Das Seminar gehört zum Programm der lfb school.

 

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