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© Georges Bataille, 1943

Mo 29.06.Di 30.06.
Sitzungen: 29. und 30.6. 11:30-17 Uhr
Nie wieder dienen! Die Überwindung der Knechtschaft mit Georges Bataille und Friedrich Nietzsche (Jenny Kellner)
Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus

 

Seminarleitung: Jenny Kellner

 

 

Der französische Autor Georges Bataille, in Deutschland vor allem für seine erotischen bis pornographischen Erzählungen bekannt, war nicht nur Literat, sondern auch Kritiker, Essayist und Philosoph. Seine Theorie einer „allgemeinen Ökonomie“ findet heute, angesichts der Sackgassen, in die eine bereits als Ende der Geschichte deklarierte Weltwirtschaftsordnung zunehmend gerät, verstärktes Interesse. Die allgemeine Ökonomie Batailles unterscheidet sich von jeder „beschränkten“ Ökonomie (zu welcher Bataille auch die marxistische rechnete) durch ihren Ausgangspunkt, ihr oberstes Prinzip: den Überschuss. Während die beschränkten Ökonomien stets vom Mangel ausgehen, von einer Not, gegen die ‚anproduziert‘ werden müsse, geht die allgemeine Ökonomie vom Überschuss aus, der verschwendet, das heißt: unproduktiv verausgabt werden muss.

Aus dieser Konstellation erwächst eine spannende Perspektive auf die Frage nach Knechtschaft und Subordination auf der einen und Emanzipation und Subversion auf der anderen Seite. Die Ausrichtung am Produktiven, am Nützlichen und Guten zwingt ein Zweck-Mittel-Verhältnis auf, das unweigerlich in die Knechtschaft führt. Bereits Friedrich Nietzsche hatte das erkannt. So wundert es nicht, dass gerade Nietzsche – neben Hegel, aber anders als Hegel – den wichtigsten philosophischen Bezugspunkt im Denken Batailles bildet. Bataille hat sich in ungebührlichem Maße mit Nietzsche identifiziert: er wollte Nietzsche nicht verstehen, er wollte Nietzsche sein. Nietzsche ist in Batailles Gesamtwerk, nicht bloß in den explizit Nietzsche gewidmeten Schriften, omnipräsent. Was Bataille an Nietzsche fand, lässt sich auf folgende Formel bringen: Nietzsche entwickelte ein Denken, dass sich in jeder Hinsicht weigerte zu dienen.

In diesem Kurzseminar soll dem Problem der Knechtschaft anhand einiger ausgewählter Schriften Nietzsches und Batailles auf den Grund gegangen werden. Inwiefern werden wir durch Zweck-Mittel-Relationen, selbst wenn wir selber die Zwecke setzen, versklavt? Wie sieht ein Denken aus, das sich weigert zu dienen? Welche Einsichten kann uns die Nietzsche-Lektüre Batailles in Bezug auf das kommunistische Projekt des Marxismus bescheren? Wenn wir historisch längst nicht mehr vor der Alternative Kapitalismus oder Kommunismus stehen, so stehen wir zweifelsohne schon lange und heute mehr denn je vor der Alternative Autoritarismus oder Subversion. Mit Bataille und Nietzsche votieren wir für die letztere.

 

 

Texte werden über einen Reader zur Verfügung gestellt. Nähere Informationen erfolgen nach Anmeldung über campus@lfbrecht.de.

 

Es handelt sich um ein Seminar mit aufeinander aufbauenden Sitzungen. Das Seminar gehört zum Programm der lfb school.

 

Das Seminarangebot versteht sich aus gegebenem Anlass unter Vorbehalt. Bitte die aktuellen Hinweise zum eingeschränkten Publikumsverkehr beachten.

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