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Eine revolutionär-praktische Rezeptionslinie der Kritischen Theorie? Zur Kritik der Frankfurter Schule bei Hans-Jürgen Krahl und in der westdeutschen Studierendenbewegung
© Abisag Tüllmann

Sa 25.05.Sa 08.06.
Seminar mit 2 Sitzungen, 25.05.24 und 08.06.24, jeweils 11–16 Uhr

Eine revolutionär-praktische Rezeptionslinie der Kritischen Theorie? Zur Kritik der Frankfurter Schule bei Hans-Jürgen Krahl und in der westdeutschen Studierendenbewegung

Seminarleitung Meike Gerber, Emanuel Kapfinger und Julian Volz
Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus

Hans-Jürgen Krahl war ein Kritischer Theoretiker, gleichzeitig aber auch ein einflussreicher Aktivist der westdeutschen Studierendenbewegung von 1968. Krahl leitete eine Vielzahl von Teach-ins und verfasste politische Artikel, parallel dazu trat er als Redner bei den Protesten gegen die Notstandsgesetze und beim Berliner Vietnamkongress auf. Er demonstrierte gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings, nahm am Aktiven Streik an der Universität Frankfurt teil und war schließlich an der Besetzung des Instituts für Sozialforschung beteiligt. Gemeinsam mit Rudi Dutschke hielt er 1967 während einer Konferenz des SDS das einflussreiche Organisationsreferat, welches das strategische Selbstverständnis des antiautoritären Flügels der Bewegung formulierte.

Krahl schrieb seine Doktorarbeit bei Theodor W. Adorno, der ihn als einen seiner begabtesten Studenten bezeichnete. Adornos Schriften bildeten einen wesentlichen Einfluss für Krahls Analysen gesellschaftlicher Integrationsmechanismen. Gleichzeitig scheute Krahl nicht davor zurück, sowohl Adornos Theorie als auch seine politische Haltung zur Studierendenbewegung scharf zu kritisieren. Auch das Denken Herbert Marcuses gehört zu Krahls wesentlichen Einflüssen. Geschult an dessen Ideen, stellte er sich nicht nur entschieden gegen eine autoritäre Wende der Studierendenbewegung, sondern setzte ihr auch ein Modell antiautoritärer Emanzipation entgegen.

Im Seminar wollen wir Hans-Jürgen Krahls theoretische und strategische Schriften als eine praktisch-revolutionäre Weiterentwicklung der Kritischen Theorie rekonstruieren. Dies scheint uns besonders vor dem Hintergrund wichtig, dass die Kritische Theorie an deutschen Universitäten oft anhand der Texte von Theodor W. Adorno vermittelt wird, und deshalb als ein praxisfernes Gedankengebäude erscheinen mag. Für unser Vorhaben werden wir zunächst den historischen Kontext der Studierendenbewegung sowie Krahls intellektuelle und politische Biographie behandeln. Anschließend widmen wir uns seiner Auseinandersetzung mit Adorno, wobei wir auch Texte Adornos lesen werden. Im nächsten Block behandeln wir Krahls Aneignung von Adornos Theorie und die praktischen Konsequenzen, die er aus der Kritischen Theorie für Klassentheorie und Strategie des Studierendenprotestes gezogen hat.

    • Termine: Samstag, 25.05. und Samstag, 8.06. jeweils 11-16 Uhr
    • Anmeldung: per Mail an campus@lfbrecht.de. Die Teilnahme ist kostenlos.
    • Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt.
    • Die Texte werden über einen Reader zur Verfügung gestellt.
    • Der Workshop gehört zum Programm der lfb school

 

Meike Gerber lebt in Dresden und ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin, wo sie zum Thema Sterbehilfe und Autonomie promoviert.

Emanuel Kapfinger promoviert über Hegels Phänomenologie des Geistes und marxistische Kulturtheorie.

Julian Volz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg »Kulturen der Kritik« an der Leuphana Universität Lüneburg.

Die Referentinnen haben kürzlich den Sammelband »Für Hans-Jürgen Krahl. Beiträge zu seinem antiautoritären Marxismus« im Mandelbaum Verlag herausgegeben.