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28.02.08
20:00
„Als ‚zionistischer Agent‘ in Stasi-Haft“
Wolfgang Benz im Gespräch mit Anatol Rosenbaum
Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus

Im Dezember 1968 wird der Ost-Berliner Kinderarzt Anatol Held wegen des Versuchs, an bundesrepublikanische Pässe zu kommen, verhaftet. Held wird der Mitgliedschaft im israelischen Geheimdienst Mossad bezichtigt und in Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen dem für Spione gebildeten „Kommando X“ zugeteilt. Nach der Haftentlassung 1970 arbeitet er wieder als Kinderarzt. Fünf Jahre später wird er „freigekauft“ und übersiedelt nach West-Berlin.

Dass Anatol Held, 1939 in Moskau geboren, aus einer jüdischen Familie stammt, erfuhr er erst Anfang der 60er Jahre. Seine Mutter Nelly, Tochter eines jüdischen Hamburger Holzfabrikanten, schloss sich in den 20er Jahren der Hamburger KPD unter Ernst Thälmann an. Später gehörte sie zum Umfeld von Walter Ulbricht.

In seiner Autobiographie beschreibt Anatol Held Strategien, die Stasi-Haft zu überstehen: Scheinanpassung, Selbstverleugnung, aber auch Witz, Auflehnung und Provokation. Eine besondere Rolle spielt die Hinwendung zum jüdischen Glauben, aus dem er Kraft schöpft. 2005 vollzieht Anatol Held schließlich den letzten Schritt seiner Identitätsfindung, als er wieder den Namen Rosenbaum annimmt, den seine Eltern 1930 abgelegt hatten.

 

In Kooperation mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung

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