SEMINAR Die Sprache der Populisten (30.05.)

SEMINAR Die Sprache der Populisten (30.05.)
Brecht Zeichnung

SEMINAR

 

 

Die Sprache der Populisten. Analysen & Argumente

Zur Auseinandersetzung mit Parolen des Rechtspopulismus

 

Seminar-Veranstaltung im Literaturforum am 30. Mai 2017. 17.00-19.00 Uhr

Leitung: Wolfgang Benz

 Anmeldung erforderlich unter Tel. 030.2822003 oder info@lfbrecht.de

Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung, begrenzte Kapazität

 

 

I. Ausgangslage

Rechtspopulisten haben nicht nur in Europa Konjunktur. Ihre Botschaft hat Erfolg bei Unzufriedenen, Unsicheren, von Existenzangst Geplagten. Die Argumente und Postulate zielen auf die Destabilisierung des demokratischen Systems und der Repräsentanten der Gesellschaft in Politik und Kultur. Die öffentliche Debatten- und Streitkultur verändert sich, nicht zuletzt durch den Diskurs in den sozialen Medien. Kampagnen, in denen die Gesetze bürgerlichen Anstands nicht beachtet werden, zielen auf die Vernichtung Andersdenkender durch Beleidigung, Denunziation, moralische Stigmatisierung. Bewegungen wie Pegida und „Alternative für Deutschland“ positionieren sich durch kalkulierte Provokation und Tabuverletzung und propagieren einen neuen Politikstil, der nicht auf Argumente, Interessenausgleich und Kompromiss, auf die Bedeutung von Menschen- und Minderheitenrechten setzt, sondern autoritäre Strukturen in einer Politik der Stärke bevorzugt.

 

 

 II.    Merkmale rechtspopulistischer Agitation

 

Charakteristisch für Argumentation, Selbstdarstellung und Propaganda rechter Demagogen, womit sie Ängste und Erwartungen ihres Publikums bedienen, sind u.a. die folgenden Merkmale:

 

  1. Schlichte (in der Regel monokausale) Welterklärungen.
  2. Markierung von Feinden und „Schuldigen“ an (tatsächlichen oder behaupteten) Missständen (Muslime, Lügenpresse, Politiker).
  3. Manichäisches Weltbild, das nur Gut und Böse, Richtig und Falsch kennt und Ausgrenzung nach schlichten und pauschalen Kategorien ermöglicht.
  4. Freund-Feind-Denken, das auf gewaltsame Auseinandersetzung setzt.
  5. Versprechungen und Forderungen statt konkreter und praktikabler Problemlösungen.
  6. Realitätsverweigerung angesichts existierender Probleme (z.B. Umweltschutz, Klimawandel).
  7. Ablehnung des Prinzips der Wahrhaftigkeit. D.h. bewusste Lüge und Falschbehauptung als politisches Mittel zum Zweck.
  8. Gemeindebildung Gleichgesinnter, die den Kontakt zu Andersdenkenden ablehnt. Hermetische Abschottung der eigenen Gruppe.
  9. Kompromisslosigkeit wird als Tugend propagiert, Toleranz als Schwäche denunziert.
  10. Nationalismus in der Abkehr von Europa geht einher mit (Kultur-)Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die sich vor allem gegen Migranten richtet, Ängste bedient und schürt.
  11. Verweigerung gegenüber aus der Geschichte herrührender Verantwortung resultiert im Kampf gegen die deutsche Erinnerungskultur.

 

III.  Handlungsbedarf

 

Diskussionen mit Populisten sind zwecklos, da diese nicht am Austausch von Argumenten und ergebnisoffenem Ausgang von Debatten interessiert sind, sondern an der Durchsetzung ihrer Überzeugung. Zweck populistischer Agitation ist Gefolgschaft ohne demokratische Strukturen. Umso notwendiger ist angesichts des demagogischen Vorgehens der Diskurs mit dem Publikum, das die Rechtspopulisten zu gewinnen hoffen. Deshalb ist es wichtig, die zentralen Positionen, Postulate und Parolen kritisch zu beleuchten und die Sachverhalte richtig und wahrhaftig darzustellen, historische Parallelen nachzuweisen und irrationale Behauptungen zu entkräften.

 

 

 IV.    Topoi

 

Topoi aus dem Spektrum rechtspopulistischer Agitation, die im Seminar erörtert werden. Weitere kommen aus dem Kreis der Teilnehmer.

-        „Stolz, deutsch zu sein“

-        Lügenpresse / Systempresse

-        Islam

-        Europakritik

-        Erinnerungskultur

-        Rassismus

-        Volksverräter

-        Volk und völkisch

-        Kollektivschuld

-        Zionismus

-        Antisemitismus

-        „Nein zu Gender-Mainstreaming und Frühsexualisierung“

-        „Deutsche Grenzen schützen“

-        Schuldkult

-        Toleranzfaschismus

-        Abendland

-        Christlich-Jüdisch

-        GEZ

-        Gutmensch

-        Political correctness

 

 

Literatur

 

Wolfgang Benz (Hrsg.), Fremdenfeinde und Wutbürger. Verliert die demokratische Gesellschaft ihre Mitte, Berlin 2016.

 

Florian Hartleb, Die Stunde der Populisten. Wie sich unsere Politik trumpetisiert und was wir dagegen tun können, Schwalbach/Ts. 2017.

 

Robert Feustel/Nancy Grochol/Tobias Prüwer/Franziska Reif (Hrsg.), Wörterbuch des besorgten Bürgers, Mainz 2016.

 

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