Günter Grass – Was bleibt?

Günter Grass – Was bleibt?

GÜNTER GRASS – Schriftsteller, Künstler, engagierter Zeitgenosse:

Was bleibt?

 

Eine Veranstaltungsreihe im Literaturforum im Brecht-Haus

vom 4. – 8. Juli 2016, Beginn jeweils um 19 Uhr

 

Mit freundlicher Unterstützung der Günter und Ute Grass Stiftung

 

Projektleitung: Viktoria Krason und Dieter Stolz

 

„Ein echter Gigant“ (Salman Rushdie), ein „homo politicus allerersten Ranges“ (Olaf Scholz), „sein literarisches Vermächtnis wird neben dem von Goethe stehen“ (Monika Grütters) – viele Reaktionen auf den Tod von Günter Grass am 13. April 2015 belegen eindrucksvoll, wie groß die Wertschätzung ist, die ihm – aller Kritik zum Trotz – weltweit entgegengebracht wird. Anerkennung erfährt Grass posthum nahezu in gleichem Maße von Kunst- und Kulturschaffenden wie von Politikerinnen und Politikern. Schon diese erstaunliche Tatsache spiegelt das Leben eines vielseitigen Schriftstellers und Künstlers, der sein Wirken nicht auf Schreibtisch und Werkstatt begrenzte.

 

Grass' literarische Karriere beginnt im Berlin der fünfziger Jahre. Noch während seines Studiums der Bildhauerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste gewann er 1955 den dritten Preis des Lyrikwettbewerbs des Süddeutschen Rundfunks und wurde von Hans Werner Richter zu einem Treffen der Gruppe 47 eingeladen. Sein erster Gedicht- und Kurzprosaband „Die Vorzüge der Windhühner“ erscheint 1956, im Todesjahr Bertolt Brechts und Gottfried Benns, mit eigenen Federzeichnungen. Parallel dazu entstehen zahlreiche bemerkenswerte Theaterspiele. Doch der internationale Durchbruch gelingt Günter Grass erst mit der „Danziger Trilogie“ („Die Blechtrommel“, „Katz und Maus“, „Hundejahre“).

 

Auch die folgenden Werke, mittlerweile hat sich der Autor als SPD-Wahlkämpfer für Willy Brandt und Staatsbürger mit besonderer Reputation im In- und Ausland einen Namen und viele Feinde gemacht, behandeln immer wieder Zeitgeschichte und ihr historisches Unterfutter, etwa das deutsche, Brechts „Coriolan“-Bearbeitung und den 17. Juni 1953 thematisierende Trauerspiel „Die Plebejer proben den Aufstand“ (1966), große Romane wie „Der Butt“ (1977) und „Ein weites Feld“ (1995), seine autobiographisch fundierte „Trilogie der Erinnerung“ („Beim Häuten der Zwiebel“, „Die Box“, „Grimms Wörter“) sowie weitere Gedichtbände, die in Zusammenarbeit mit Verleger Gerhard Steidl immer bildreicher gestaltet werden. Am Ende steht erneut ein kleines Gesamtkunstwerk, sein vom Feuilleton hochgelobtes Abschiedsbuch, „Vonne Endlichkait“ (2015), ein bewegender Abgesang des 87-jährigen Nobelpreisträgers vom Stamme Sisyphos auf ein sinnenfrohes und unglaublich produktives Leben im Zeichen der Kunst.

 

Das Augenmerk unserer Veranstaltungsreihe gilt in erster Linie der Vergegenwärtigung und näheren Betrachtung eines Lebenswerkes, das verschiedene literarische Gattungen und künstlerische Disziplinen in sich vereint, und mit prägnanter Zuverlässigkeit immer wieder aktuelle gesellschaftliche Debatten aufgreift. Das demnach auch die einschlägigen „Grass-Skandale“ problematisierende Projekt nähert sich der Literatur, der bildenden Kunst und dem politischen Engagement von Günter Grass durch Gesprächsrunden mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sein sechs Jahrzehnte umfassendes Schaffen aus unterschiedlichen Perspektiven verfolgt und begleitet haben: 1) Autorinnen und Autoren, die Grass als Kollegen und leidenschaftlichen Handwerker am Text erlebten, 2) Übersetzer seiner Literatur, die sich vielleicht am genauesten mit seinen Werken und der Rezeption in ihren Herkunftsländern befassten 3) Pfleger, Verleger und Vermittler seines literarischen und bildkünstlerischen Nachlasses, 4) politische Weggefährten und fachkundige Kommentatoren sowie 5) Literaturwissenschaftler und Kritiker, die nicht zuletzt unsere Leitfrage  „Was bleibt?“ diskutieren werden. Das für uns im Zentrum aller Diskussionen stehende Primäre selbst wird im Rahmen unserer Grass-Woche vom 4. bis zum 8. Juli 2016 durch Lesungen, Filmaufführungen und eine kleine Ausstellung grafischer Werke des  Künstlers präsent sein.

 

Zum detaillierten Programm: Günter-Grass-Woche