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Vorstellung neuer Studien zu Brecht


Fr. 11.02.2011 / 10:00 Uhr / Kurzvorträge und Diskussion


Vorstellung neuer Studien zu Brecht

Leitung und Moderation: Erhard Schütz

Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus
Eintritt: 5,- € / ermäßigt: 3,- €
Einlass: ab 09:00 Uhr


Denise Kratzmeier: Auf dem Schlachtfeld der Historiographie – „Die Judith von Shimoda“ als Entwurf einer japanischen Johanna

 

Brechts Stück „Die Judith von Shimoda“ berichtet von einer starken Frauenfigur, der Geisha Okichi, die aktiv gegen Gewalt eintritt und dadurch zum Opfer wird. Das eigentliche Schlachtfeld liegt jedoch nicht im historischen Geschehen, sondern in dessen verfälschender historiographischer Verarbeitung: es wird verschleiert, funktionalisiert und neu gedeutet. Fatima Mokadem: Zum Bild der Frau in der Liebeslyrik von Bertolt Brecht und Nizar Kabbani Unter interkultureller Perspektive wird hier die Thematisierung von Frauen und der Frauenwelt in der Liebeslyrik Brechts und des syrischen Dichters Nizar Kabbani, der im arabischen Raum der „Frauendichter“ genannt wird, untersucht.

 

 

Till Nitschmann: Das Theater der Versehrten bei Brecht

 

Der Begriff „Das Theater der Versehrten“ soll hier für die Strömung im Theater des 20. und frühen 21. Jahrhunderts vorgeschlagen werden, die durch körperlich versehrte Kunstfiguren als Handlungsmovens oder Metapher repräsentiert wird (Toller, Brecht, Beckett, Müller, Kane u.a.). Schon bei Brecht durchzieht das Thema der Versehrungen der Figuren die unterschiedlichen Werkperioden, als metaphorischer Ausdruck gesellschaftlicher Zustände und Chiffre allgemeiner Subjektdezentrierung.

 

 

Hans-Joachim Schott: Die Lust am Tragischen. Brechts Rezeption der ästhetischen Theorie Nietzsches und die Entstehung des epischen Theaters

 

Anhand der frühen autobiographischen Schriften und von „Trommeln in der Nacht“ lässt sich zeigen, dass Brecht nicht nur seine ästhetische Theorie, sondern auch zentrale Themen seiner Dramen in Auseinandersetzung mit Nietzsches Philosophie entwickelt. Nach Nietzsche ist das Theater in der Lage, das Gewohnte so zu verfremden, dass es der Erkenntnis des Rezipienten zugänglich wird. Die Brechtsche Verfremdungstheorie hat ihren philosophischen Hintergrund nicht im Hegelschen Bildungsbegriff, sondern in Nietzsches Kunsttheorie.

 

 

Gesa Singer/ Gastão Moncada: Der Einfluss Brechts auf portugiesische Schriftsteller nach 1945

 

In dieser komparatistischen Untersuchung geht es vor allem um eine kritische Betrachtung der dramatischen Werke des portugiesischen Autors José Cardoso Pires, dessen Schreibtechnik in seinen historischen Stücken von der Brecht-Ästhetik geprägt ist. Dies zeigt sich zum einen im Verfahren, die Vergangenheit als Bezugspunkt für die kritische Interpretation gegenwärtiger Geschehnisse zu nutzen, zum anderen in der Forderung an die Zuschauenden, eine kritisch-distanzierte Haltung einzunehmen.

 

 

Julia Schumacher/ Andreas Stuhlmann: Kleines Organon für das TV. Egon Monk als Erbe Brechts

 

Mit seiner ambitionierten, von der regierungstreuen Presse verrissenen Aufführung des „Urfaust“ endete Egon Monks Zeit am Berliner Ensemble. Mit dem Wechsel zum NWDR in Hamburg nutzte Monk das Fernsehen als Experimentierfeld für große zeithistorische Entwürfe. In seiner „Hamburgischen Dramaturgie“ des Fernsehfilms entwarf Monk das Medium – im Gestus Brechts – als Synthese von Aufklärung und Unterhaltung. Der Versuch, dann 1968 unter schwierigeren Bedingungen am Hamburger Schauspielhaus die Theaterarbeit konzeptionell fortzusetzen, scheiterte. Eintritt frei