Loading Events

Nils Tabert, Stefan Schnabel und Günther Heeg


Do. 10.02.2011 / 20:00 Uhr / Vorträge und Diskussion


Nils Tabert, Stefan Schnabel und Günther Heeg

Moderation: Sebastian Kirsch

Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus
Eintritt: 5,- € / ermäßigt: 3,- €
Einlass: ab 19:00 Uhr


Nils Tabert: Zur Entstehungsgeschichte und ästhetischen Entwicklung der Stücke von Sarah Kane

 

„Zerbombt“ beginnt wie ein klassisches psychologisches Kammerspiel. Doch bereits in diesem Stück zersetzt sich die konventionelle dramatische Form. Diese Entwicklung schreibt sich im Werk Kanes fort und radikalisiert sich – sowohl inhaltlich wie formal – bis hin zu den „postdramatischen“ Theatertexten „Gier“ und „4.48 Psychose“.

 

 

Stefan Schnabel: Hölle – Fegefeuer – Paradies. Zur Bonner „Zerbombt“-Inszenierung von Volker Lösch

 

„Zerbombt“ (1995) ist ein Versuchslabor, in dem Sarah Kane eine Antwort finden will auf die Frage: Was hat der Krieg in Bosnien, im Irak und anderswo mit meiner Lebenswirklichkeit als Frau in einer europäischen Metropole zu tun? Kane erfindet ein Paar, Ian und Cate, deren Gefühle, Wünsche und Abhängigkeiten eine hochexplosive Mischung eingehen. Ausgangspunkt des Experiments ist die „Hölle“ zwischen Mann und Frau, der Krieg der Geschlechter. Im „Fegefeuer“ des 2. Teils erfährt Ian in der Konfrontation mit einem Soldaten, was ein Mann ist. Der dritte Teil zeigt das „Paradies“ zwischen Mann und Frau.

 

 

Günther Heeg: Unser Krieg „Zerbombt“

 

Sarah Kanes Stück „Zerbombt“ setzt uns dem gut verschlossenen Wunsch nach der Gewalt aus, lässt uns die Koppelung des Gewaltverlangens mit der Sucht nach Liebe erfahren. Aggressives Eindringen und Zerstören des anderen und der Wunsch nach Einverleibung und untrennbarer Nähe gehen miteinander Hand in Hand. In „Zerbombt“ gehen die Liebe zur Gewalt und die Gewalt der Liebe ineinander über. Zugleich wird dieses doppelte, in sich widersprüchliche Verlangen aus dem abgeschlossenen Raum des Privaten herausgesetzt. Das Entfernte – der abstrakte Horror des Tötens im Krieg – und das Nahe – das intime Horrorkabinett der eigenen Einsamkeit – sind über den zweideutigen Gefühlsstrom aus Gewalt und Liebe durch Zusammenschnitt in Beziehung gesetzt. Der Zusammenschnitt des Nahen und Fernen öffnet das Abgegrenzte, schneidet den Panzer des Isolierten auf. Aus dem Krieg in Bosnien, aus dem Krieg in Irak und Afghanistan wird unser Krieg.