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Literatur – Gesellschaft – Zukunft (Tag 2)



Sa. 21.05.2016 / 10:00 Uhr / Symposium


Literatur – Gesellschaft – Zukunft (Tag 2)

Mit Ann Cotten, Björn Kuhligk, Heike Geißler, Norbert Niemann, David Salomon, Stefan Schmitzer, Erasmus Schöfer, Daniela Seel, Ingar Solty, Enno Stahl, Thomas Wagner, Michael Wildenhain, Raul Zelik und Gastreferenten

Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus
Eintritt frei!


10:00-12:00 Uhr: SEKTION IV

Literatur, neue Technologien und Zukunft

Sektionsleitung: Ingar Solty

Input-Referate: Stefan Schmitzer, Timo Daum

 

14:00-16:00 Uhr: SEKTION V

Futuring – Wie kommt Zukunft in die Gegenwart?

Sektionsleitung: Ingar Solty

Input-Referat: Rainer Rilling

 

16:00-16:30 Uhr: Pause

 

16:30-18:30 Uhr:  SEKTION VI, ACHTUNG: nicht öffentlich!

Was können Autorinnen und Autoren tun, um an der gesellschaftlichen Entwicklung konstruktiv mitzuwirken?

Sektionsleitung: Enno Stahl



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Nähere Informationen zu den einzelnen Sektionen:


SEKTION IV: Literatur, neue Technologien und Zukunft
 

„Need for Speed“: Der Kapitalismus hatte Beschleunigung und Innovation schon immer in seiner DNA codiert, technischer Fortschritt ist  „allgemeine und notwendige Tendenz des Kapitals“ (Karl Marx). Digitalisierung und Vernetzung verstärken diese Tendenz noch einmal:  Der Takt der Turing-Maschine ist um ein vielfaches höher als der der Dampfmaschine, und er wächst exponentiell: Kapitalismus im Gigahertzbereich. Damit einher gehen Veränderungen in allen Lebensbereichen, das fordistische Modell relativen Wohlstands und Beteiligung aller, gekoppelt mit sozialdemokratisch orchestrierter Befriedung aufständischer Bestrebungen, wird zum Auslaufmodell.

Wir leben im Digitalen Zeitalter, in dem der Austausch von Information über Netzwerke ins Zentrum der ökonomischen und sozialen Aktivität gerät. Ist das schon Post-Kapitalismus, Wissensgesellschaft oder das Ende der Arbeit? Erfüllt sich die Hoffnung einer digitalen Bohème auf einen smarten Abschied von Normalarbeitstag und Festanstellung?

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Der von Algorithmen getriebene Kapitalismus der Plattformen führt zu Deregulierung, Monopolbildung und einer ins Obszöne reichenden Spaltung zwischen der Macht und dem Reichtum von sehr Wenigen und dem Heer der User. Die intellektuellen Handlanger finden sich im Prekariat wieder, obwohl sie sich ständig informieren und optimieren, als wären sie ihre eigenen Risikokapitalgeber.

Für die Literatur im Kontext der neuen Technologien und ihrer inhärenten Dynamiken geraten zunächst die Veränderungen der Produktionsbedingungen von Literatur in den Blick, wie sie im Zentrum der ersten Sektion dieses Symposiums standen. Zu diesem Komplex gehören eine Reihe von Fragestellungen: Wie verändert die Digitalisierung im High-Tech-Kapitalismus die Ausgangsbedingungen des Schreibens? Wie verändert er die gesellschaftliche Bedeutung von Texten? Wie verändert er Lesegewohnheiten? Und wie reagieren Literaturproduzentinnen und Literaturproduzenten auf diese Veränderungen? Wie beeinflussen sie selbst diesen Veränderungsprozess – etwa, indem sie aktiv alte Freiräume verteidigen oder neue Freiräume erkämpfen? Können wir Pop kapern? Eignen sich Artefakte des falschen Bewusstseins als Auslöser von Kritik? Ist es möglich, dass die theorielose Radikal-Affirmation der „Fandoms“ in ihr Gegenteil umschlägt?


SEKTION V: Futuring – Wie kommt Zukunft in die Gegenwart?


Zukunft ist das Kernthema der Linken, weil sie es mit einem Kapitalismus zu tun hat, der sich als Zeit des Kapitalismus und enorme Zukunftsgesellschaft etabliert hat, welche das religiös-transzendente Adventus („die Zukunft kommt“, time to come, Zukunft als „das Ankommende“) und die zyklische Naturzeit zum aktiven Futurum („Zukunft machen“) wendete. Die Zukunft des Kapitalismus kommt nicht, sie wird gemacht. Der klassische linke Angriff auf diese kapitalistische Zeit brachte eine zentrale Zukunftsidee (Sozialismus als das Ende der Katastrophe des Kapitalismus), ein zentrales Instrument (Planung geht vor Markt) und eine zentrale Methode ins Spiel: den revolutionärer Bruch, der das Kontinuum der Geschichte aufsprengt – die Schüsse auf die Turmuhren von Paris 1830. Ein aktives Verhalten gegenüber der Zukunft setzte sich durch: Zukünfte werden imaginiert (Utopien, heute: Visionen, Hoffnung, Versprechen, Planung, Gestaltung etc.) und zugleich wird daran gedacht und gearbeitet, wie man sie „erreicht“, also auf welche Weise man von hier nach dort kommt, die Zukünfte beeinflusst. Es gibt offenbar mögliche Zukünfte, Zukunft ist veränderbar – ein Gedanke, der in der sozialistischen Tradition auf neue Füße gestellt wurde. Doch auch ihre eigene Zukunftsgesellschaft, die sie dagegen setzte, war der Paradoxie ausgesetzt, dass „die“ Zukunft unbekannt ist und bleibt, „denn mit jeder eintretenden Gegenwart schiebt sie sich hinaus, erneuert sich als Zukunft.“ (Luhmann). Es wird also jetzt vorwegnehmend und antizipierend prophezeit, erhofft, imaginiert, gehandelt, gekämpft, investiert, gedroht, gebombt, okkupiert, mobilisiert und ausgerottet im Namen von etwas, was nicht geschehen ist oder womöglich niemals geschehen wird: einer Zukunft oder der Zukünfte, die Anlass, Bezug oder Rechtfertigung eines Handelns hier und heute werden, zumal wenn dieses auf Veränderung, Reform, Transformation oder gar Revolution aus ist. Wichtig ist der Gedanke der ständigen brüchigen Verknüpfung von Gegenwart mit Zukünften – immer und überall. Um drei solcher hegemonialer Verständnisse und Praxen kapitalistischer Zukunftsbefähigung soll es zunächst gehen, bevor wir nach einem linken Futuring im Gegenwartskapitalismus fragen, also nach einer „Zukunftsfähigkeit“ als souveränem Antikapitalismus, die kollektiv über das Bestehende hinausweist. Welche aktive Rolle könnte die Literatur bei einem solchen „Futuring“ spielen?


SEKTION VI: Was können Autorinnen und Autoren tun, um an der gesellschaftlichen Entwicklung konstruktiv mitzuwirken?

(nicht öffentlich)



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